Problematischer Müll-Tourismus

Leserbrief vom 07. November 2018 - 15:06

Zum Artikel "Rottweil liefert weiterhin Müll nach Böblingen" vom 2. November

Müllentsorgung muss sein, ob auf Deponien oder in einer Verbrennungsanlage. Dabei ist es gut, wenn wie im Falle des Böblinger Restmüllheizkraftwerkes dabei auch noch eine Stromerzeugung herauskommt. Eine umweltfreundliche Hightech-Anlage in naturnaher Gegend im Wald. Das Müllaufkommen der zweiten 50 Prozent teilen sich die Kreise Calw, Stuttgart, Freudenstadt, Rottweil und teilweise auch noch der Enzkreis. Dieser Mülltourismus wird damit begründet, dass die Anlage damit optimal ausgelastet sei. Dies solle eine langfristige Entsorgungssicherheit bieten und für Gebührenstabilität sorgen. Schlussendlich sollen die Gebührenzahler davon profitieren.

Ich habe davon noch nicht profitiert. Im Gegenteil, der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises erhöht jährlich die Gebühren. Möglicherweise ist das dem Zweckverbandsvorsitzenden und Landrat Roland Bernhard noch gar nicht aufgefallen, er wohnt ja auch nicht im Kreis Böblingen. Diesen Mülltourismus kann man doch hier im Kreis Böblingen nicht gutheißen, zumal wir ja große Verkehrsprobleme haben. Im Umkehrschluss bedeutet das, die Anlage als Denkmal des damaligen Landrats Heeb wurde total überdimensioniert. Warum das so ist, darüber möge sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Und jetzt wird auch noch der Kreis Rottweil in den Zweckverband mit aufgenommen. Laut Landrat Bernhard ein Erfolgsmodell. Ist Mülltransport über zirka 100 Kilometer Entfernung ein Erfolgsmodell? Damit bekommt auch er sein (kleines) Denkmal, das er gar nicht nötig hätte, denn dieses bekommt er doch mit der Flugfeldklinik. Die Kreise Calw, Freudenstadt, Stuttgart und Rottweil können sich derweil die Hände reiben. "Wasch mich, aber mach mich nicht nass" heißt das passende Sprichwort dazu.

Wir laufen Gefahr, dass Böblingen in die Geschichte als "Müll-City" eingeht. Eine Bemerkung sei mir noch erlaubt: Müllverbrennungsanlage im Waldgebiet zeigt für mich die gleiche "Ethik", wie ein Klinikum zwischen Autobahn und Industriegebiet.

Albrecht Schlenker, Dagersheim

Anmerkung der Redaktion: Die Behauptung, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb jährlich die Müllgebühren erhöht, ist nicht zutreffend. Hier die Zahlen seit 2015 (bezogen auf den "Musterhaushalt": 2015 keine Erhöhung, 2016 Erhöhung um 1,9 Prozent, 2017 keine Erhöhung, 2018 Erhöhung um 2,3 Prozent, 2019 Erhöhung um 0,5 Prozent.