Strotmanns Pech

Leserbrief vom 02. November 2018 - 16:36

Zu "Alle Investoren sollen gleich behandelt werden" vom 25. Oktober und der Diskussion um die Ansiedlung eines Zaubertheaters nach den Plänen des Stuttgarter Magie-Unternehmers Thorsten Strotmann

Nun hat wenigstens die Stadt Böblingen zum Fall Strotmann Stellung genommen. "Alle Investoren sollen gleich behandelt werden" sagt die Böblinger Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger. Wie ist eine solche Aussage nun zu verstehen? Die beiden Stadtverwaltungen haben den Unternehmer Thorsten Strotmann vergrault. Sollen jetzt sämtliche andere Unternehmen auch vergrault werden?

Auch zur schwierigen Kommunikation hat Frau Kraayvanger eine Erklärung: Mit der Angelegenheit seien eben viele Akteure betraut gewesen. Verständlich. Zwei Oberbürgermeister, ein Zweckverbands-Geschäftsführer, zwei Baubürgermeisterinnen und zwei große Baudezernate mit einer Vielzahl an Amts- und Abteilungsleitern. Alle wollen mitmischen .Jeder will etwas anderes. Was gestern gegolten hat, gilt heute nicht mehr. Und morgen gilt wieder etwas anderes. Leider ist die Städtefusion, die ein solches Problem lösen könnte, in weite Ferne gerückt. Dann gäbe es nur noch ein Oberbürgermeister, eine Baudezernentin und ein Baudezernat, was ausreichend wäre.

Das Hauptproblem jedoch ist, dass die beiden Stadtverwaltungen völlig veraltete städtebauliche Vorstellungen durchsetzen wollen. Statt menschengerechten Städten wollen sie autogerechte Städte schaffen. So haben sie von Herr Strotmann völlig unsinnigerweise verlangt, eine Tiefgarage zu bauen. Das Flugfeld ist an den ÖPNV gut angeschlossen. Die Besucher von Herr Strotmanns Magic-Shows hätten problemlos alle mit der S-Bahn anreisen können. Nicht nur auf dem Flugfeld, sondern auch in allen anderen Gebieten, die gut an den ÖPNV angeschlossen sind, gehört die Stellplatzverordnung abgeschafft. Diese veraltete Bauvorschrift macht das Bauen unnötig teurer oder verhindert sogar ein Bauen. Rund zwei Millionen Euro Zusatzkosten hätte der Bau einer Tiefgarage für Herr Strotmann bedeutet. Möglicherweise wäre man bei den Tiefbauarbeiten auf eine Bombe gestoßen. Da auch der beste Zauberkünstler eine solche Bombe nicht einfach wegzaubern kann, wären entsprechende Beseitigungs- und Evakuierungskosten entstanden. Sicherlich hätte man versucht, auch diese Kosten auf ihn abzuwälzen.

Unsinnig war auch die Forderung nach einem Architektenwettbewerb. Hätte man Herr Strotmann bauen lassen, wäre sicherlich ein attraktives Gebäude entstanden. Es wäre vermutlich das erste und einzige Gebäude auf dem Flugfeld gewesen, das man hätte anschauen können. Auch noch ein dritter Trick wurde angewandt, um den unliebsamen Unternehmer abblocken zu können: Einfach einen überhöhten Grundstückspreis verlangen. 1000 Euro pro Quadratmeter. Ein in der Nähe liegendes Grundstück wurde für 300 Euro verkauft. Herr Strotmann gehört eben zu den kleinen Leuten. Zumindest haben die beiden Stadtverwaltungen ihn so eingeordnet.

Das war sein Pech. Hätte er zu den großen Leuten gehört, wäre ihm der rote Teppich ausgerollt worden. Die Großen dürfen bauen, wie sie wollen. Ein deutliches Beispiel dafür ist der Bitzer-Turm im Sindelfinger Osten, der das gesamte Stadtbild verschandelt. Nach oben buckeln, nach unten treten.

Markus Wagner, Sindelfingen