Von zerstörerischen Technologien lösen

Leserbrief vom 02. November 2018 - 16:36

Zu den Demonstrationen gegen den Braunkohleabbau im Hambacher Forst

Die letzten Landtagswahlen zeigten, dass junge Leute in der Politik von CDU und SPD keine Zukunft sehen. Zeitgleich zu den Hessenwahlen besetzten bis zu 2000 Demonstranten die Schienen der RWE-Braunkohlebahn. Die dortigen Kraftwerke sind die größten CO2-Dreckschleudern Europas. Schon erstaunlich, was die meist jüngeren Leute sich bei Nässe, Wind und Kälte antun. Mit dem schon Monate im Voraus angekündigten Eindringen auf Konzerngelände nehmen sie Festnahme, Prozesse, ein schlechtes Führungszeugnis oder gar ihr berufliches Karriereende in Kauf. Nicht um zu klauen, vielmehr als Weckruf an unsere Politiker, die Erde nicht weiter zu zerstören, endlich die Klimakatastrophe aufzuhalten. Denn trotz allem Koalitions-Bla-Bla stieg der deutsche CO2-Ausstoß 2018 weiter. Statt den schon unter der SPD verschlafenen Strukturwandel im NRW-Braunkohlegebiet heute schon einzuleiten, beschimpft NRW-Ministerpräsident Laschet von der CDU die Demonstranten als "Reichsbürger mit Rastalocken", als würden diese jungen Menschen Schusswaffen horten oder gar Polizisten erschießen.

Mit solchen Diffamierungen werden aber keine Zukunftsprobleme gelöst. Wenn die nächste Großdemo in Köln am 1. Dezember sogar von Caritas und Brot für die Welt unterstützt wird (Organisationen, die die Auswirkungen der Klimakatastrophe schon vor Ort in der Dritten Welt bekämpfen müssen), dann sollten Politik und Gewerkschaften sich von der zerstörerischen Technologie von gestern endlich lösen.

Hubert Bohner, Böblingen