Wenn's kälter wird, zieht man einen Pullover aus

Leserbrief vom 29. Oktober 2018 - 12:24

Zu "Sozialticket im Kreis ist vorerst vom Tisch" vom 24. Oktober

"Vielen Dank" an die Fraktionen der CDU und der Freien Wähler im Gesundheits- und Sozialausschuss des Kreistages und ebenso an Landrat Bernhard, die sich gegen die Einführung des Sozialtickets ausgesprochen haben. Im nächsten Jahr sind Kommunalwahlen. Ich hoffe sehr, dass sich viele Wählerinnen und Wähler erinnern werden, wie unsozial und kurzsichtig die Entscheidung zur Nichteinführung eines Sozialtickets ist. Für Sindelfingens Ersten Bürgermeister Christian Gangl von der CDU sind die Kosten für den Landkreis "keine Petitesse". Das sind die Fahrtkosten im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) für die alleinerziehende prekär beschäftigte Mutter auch nicht. Die kann sich Fahrten im VVS schlichtweg nicht leisten. Dagegen wären die Mehrkosten für den Kreis als Beitrag zur Daseinsvorsorge für seine armen Kreisbürger durchaus verkraftbar. Besonders bizarr die Position von Kreisrat Hans Michael Burkhardt: "Bei einem wirtschaftlichen Abschwung mit sinkenden Steuereinnahmen und gleichzeitigem Mehrbedarf an Sozialleistungen träfe es den Landkreis doppelt." Ja und? Genau da beginnt die Verantwortung des Landkreises, allen Bürgern Teilhabe zu ermöglichen. Für die Betroffenen heißt Herrn Burkhardts Empfehlung klar und nachvollziehbar: Wenn es jetzt kälter wird, zieht man am besten einen Pullover aus statt an. Der Not der Betroffenen so zu begegnen, ist in meinem Augen nichts anderes als zynisch.

Carola Grodszinski, Vorsitzende des Ver.di-Ortsvereins Böblingen/Sindelfingen