Dem Protest fehlt dasgleiche Maß für alle

Leserbrief vom 11. Oktober 2018 - 17:12

Zum Artikel "Umstrittener Schlachthof schließt" vom 26. September.

Vor gut 30 Jahren hat sich - mit breitem Konsens - die Meinung durchgesetzt: Wir brauchen kleine, regionale Schlachthöfe, damit die Tiere nicht von weit her transportiert werden müssen. Ein solcher regionaler Schlachthof in Tauberbischofsheim soll jetzt geschlossen werden, weil selbsternannte Tierschützer Mängel bei der Betäubung der Tiere beobachtet haben wollen.

Menschliche Unvollkommenheiten sind die Ursache für ungezählte kleine und große Unfälle jeden Tag. Staatlich beauftragte Tierärzte beaufsichtigen das Abladen der Tiere, die ordentliche Betäubung sowie den Schlachtvorgang bis in die Kühlhallen hinein. Die genannten heldenhaften Tierschützer haben es noch nicht vorgelebt, wie sie solche Tätigkeiten in vollkommener Weise ausführen wollen. Sie sind nur tüchtig beim Verlangen von anderen.

Aber wenn diesen Tierschützern wirklich am Tierwohl gelegen sein sollte, dann müssen sie mal dort vorbeischauen und filmen, wo Tiere ohne jede Betäubung geschächtet werden - nach islamischer Sitte und ideologischem Ritus. Für die beim Schächten gequälten Schafe und Rinder ist es sehr tröstlich, dass ihre vermeidbaren Schmerzen islamisch-ideologisch begründet werden. Muslimische Metzger dürfen schächten, so hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Dies wurde am 16. Januar 2002 in den Zeitungen berichtet. Wo blieb und bleibt bis heute der Protest der angeblichen Tierschützer? Würde die deutsche Metzgerinnung fordern, dass das Schächten für sie erlaubt wird, sie hätte keine Chance, diese Genehmigung zu erhalten! Wo blieb in der Behörde, die den Schlachthof abgewürgt hat und bei den Tierärzten der Wille zur Ausgewogenheit, der Protest gegen das zweierlei Maß? Das Urteil des Verfassungsgerichts ist ein Symptom für einseitiges, feiges Einknicken. Es geschah nicht im Namen des deutschen Volkes. Armes Deutschland, was steht uns noch alles bevor?

Walter Moser, Magstadt