Existenzberechtigung der Gewerkschaften angezweifelt

Leserbrief vom 04. Oktober 2018 - 17:18

Zum Artikel "Frohnmaier vor Daimler-Werkstor" vom 2. Oktober.

Am Montag, 1. Oktober, führten Beschäftigte von Daimler Sindelfingen eine Aktion gegen Rassismus und Spaltung vor den Werkstoren durch. Aufgerufen dazu hatte die Industriegewerkschaft Metall. Transparente wurden aufgestellt und Flugblätter verteilt. Dies war die Antwort auf eine AfD-Aktion mit dem Bundestagsabgeordneten Frohnmaier und dem Landtagsabgeordneten Pfeiffer. Jenen AfD-Funktionäre, die in Chemnitz und den neuen Bundesländern unverhohlen mit Nazis aufmarschieren. Frohnmaier, der von "Messermigranten" spricht.

Die AfD-Aktion sollte dem Diesel und den Arbeitsplätzen dienen. Doch ihre wahren Absichten konnte man auf der AfD-Kompakt-Website am 2. Oktober nachlesen. Wörtlich steht hier: "Statt für Arbeiterrechte zu kämpfen, verdingen sich Gewerkschaften als Gesinnungspolizei und Sittenwächter für ein Regime, das im Zerfallen ist." Weiter heißt es: "Die Bespitzelungen von Schutzbefohlenen (gemeint sind die Kolleginnen und Kollegen) erinnert an Stasi-Methoden und ekeln mich an. Für mich haben Gewerkschaften . . . . keine Existenzberichtigung." Unfassbar, dies vom Landtagsabgeordneten Pfeiffer alles nachzulesen auf der Website. Nicht etwa von der NSDAP 1933, sondern 2018.

Einer Gewerkschaft wie meiner IG Metall Stasi-Methoden anzuhängen und die Existenzberechtigung abzusprechen, ist für mich eine offene faschistische Attacke. Die IG Metall hat jeden Tarifvertrag, Lohnerhöhungen, die Arbeitszeitverkürzung und vieles mehr erkämpft. Wer dies bekämpft wie die AfD, betreibt das Spiel der Diktaturen. Die Automobilbeschäftigten mit ihrer IG Metall tun gut daran, allen faschistischen und rassistischen Umtrieben die Stirn zu zeigen. Wehret den Anfängen.

Ich bin 44 Jahre beim Daimler beschäftigt und IG-Metall-Mitglied. Außerdem bin ich seit 1970 Pressesprecher der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz Sindelfingen.

Klaus-Jürgen Hampejs, Gärtingen