Im Schritt-Tempo auf dem Radschnellweg

Leserbrief vom 28. September 2018 - 20:12

Zu "Kommen Radler und Fußgänger gut aus?" vom 14. September.

Typisch für die Radwegeplanung in Böblingen, Sindelfingen und der ganzen Region Stuttgart ist die brandneue Eisenbahn-Unterführung in der Herrenberger Straße in Böblingen.

Der Artikel auf Seite 9 beginnt mit Zweifeln, ob die Straße für Autos und Busse überhaupt breit genug ist sofort wird geklärt, es sind acht Meter Breite, somit gibt es also kein Problem. Ob die Verkehrsführung für Fahrradfahrer so sinnvoll ist, ob die Belange der Fahrradfahrer bei dieser neuen Unterführung berücksichtigt wurden, darauf wird erst viel später eingegangen.

Obwohl es sich um einen stark befahrenen Radweg handelt, obwohl hier der Radschnellweg Herrenberg-Stuttgart verlaufen soll, wurde bei der Planung und Ausführung offenbar kein Gedanke an einen separaten und abgetrennten Fahrradstreifen verschwendet. Typisch, kein baulich getrennter Radweg. Typisch, die Fahrradfahrer werden gemeinsam mit Fußgängern auf die gleiche Fläche gezwängt, obwohl schon lange klar ist das dies innerorts nicht sinnvoll ist.

Eine Lösung der zu erwartenden Konflikte zwischen (langsamen) Fußgängern und (schnellen) Fahrradfahrern wird auch gleich aufgezeigt - Schrittgeschwindigkeit für Fahrradfahrer. Dies ist völlig kontraproduktiv, wenn man den Fahrradverkehr steigern möchte.

Typisch, solche "Radwege" werden nicht gebaut um den Fahrradverkehr attraktiver zu machen, sondern das Autofahren, indem Fahrradfahrer von der Straße vertrieben werden. Wozu das führt kann man in der gleichen Ausgabe der Kreiszeitung nur drei Seiten später nachlesen (Seite 12): "Pedelec-Fahrer übersehen" und "Fahrradfahrer übersehen" steht dort. Beide auf dem Radweg unterwegs, beide teils stark verletzt.

Ich persönlich ziehe daraus die Konsequenz: Wenn ich nach Böblingen in die Innenstadt fahre, dann lasse ich ab dem Ortsschild die Fahrradwege rechts und links liegen, fahre mitten auf der Straße, gut sichtbar, zusammen mit den Autos auf den gleichen Fahrstreifen - und muss dabei in Kauf nehmen das die Autos sich von mir behindert und gestört fühlen - dafür kann ich rücksichtsvoll gegenüber den Fußgängern deren Wege meiden und komme auch noch schneller voran. Schade, Chance vertan, aber typisch für die Radwegeplanung in Böblingen, Sindelfingen und der ganzen Region Stuttgart.

Peter Müller, Ehningen