Wer hilft den nichtorganisierten Geschädigten?

Leserbrief vom 24. September 2018 - 16:12

Zum Thema Erdhebungen

Umweltminister Untersteller hat am 2.2.2018 schriftlich, klar und deutlich festgestellt, dass in Böblingen neben den Sanierungskosten auch die Wertminderung eines Hauses ein Schaden ist, der zu ersetzen ist, wenn er durch Erdhebungen verursacht ist. Welche Größenordnung diese Schäden annehmen können, zeigt ein Prozess im Gebiet Nord, für den ein Streitwert von 200 000 Euro angesetzt ist.

Aufgrund dieser klaren Angabe kann man nun durch einfache Auszählung eindeutig ermitteln, dass in Böblingen durch Erdhebungen mindestens 351 Immobilien eine Wertminderung einfach dadurch erlitten haben, dass sie im Hebungsgebiet liegen. Basis dafür ist die städtische Bodenrichtwertkarte zum 31.12.2016. Dort sind die Grenzen aller Grundstücke und der beiden Hebungsgebiete nach dem Stand der amtlichen Karte vom 9. Februar 2014 eingetragen.

Seit mehr als vier Jahren gibt es keine neue Karte über die fortschreitende Ausdehnung des Hebungsgebietes. Eine neuere soll erst dann wieder von den Behörden erstellt werden, wenn die Erdhebungen ausgeklungen sind. Das bereits eingedrungene Wasser wirkt noch nach. Das kann noch Jahrzehnte dauern. Aber selbst auf der Basis dieser völlig veralteten Karte vom Februar 2014 erschrickt man über die Ausdehnung des Hebungsgebietes. 351 Flurstücke sind betroffen. Geht man einmal von einem Wertverlust von durchschnittlich 100 000 Euro pro Immobilie aus, kommt man auf 35 Millionen Euro. Das ist die gleiche Größenordnung, wie sie in Staufen den geschädigten Bürgern erstattet wird.

Die IG-E Interessengemeinschaft Erdhebungen, eine eng geschlossene BGB-Gesellschaft mit voller Privathaftung der Mitglieder für Beratungs- und Prozesskosten, soll 200 Mitglieder haben. Laut Gesellschafterbeschluss dürfen keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen werden. Dabei ist bis zum Juli 2018 immer noch Wasser in den Gipskeuper eingedrungen und hat das Schadensgebiet deutlich erweitert. Das bereits eingedrungene Wasser wird sogar noch viele Jahre weitere Quellungen und Hebungen erzeugen. Die Anzahl der Geschädigten wird sich daher noch deutlich vergrößern.

Bleiben also mindestens 151 Geschädigte, die in Böblingen ohne Schutz, allein und verlassen, im Regen stehen. Meistens Senioren. Sowohl der Herr Landrat wie der Oberbürgermeister haben öffentlich erklärt, dass sie sich aus Zeitgründen nicht um diese Geschädigten einzeln kümmern können.

Um diesen 151 Geschädigten jedoch eine Stimme zu geben und um sie mit Informationen über die Entwicklung dieser Erdhebungen zu versorgen, brauchen diese eine Art Amtsvormund bzw. einen glaubwürdigen, neutralen Pfleger/Beauftragten. Mein Vorschlag wäre, dafür den Pfarrer der Martin-Luther-Kirche zu gewinnen. Seine Kirche liegt im Hebungsgebiet und die beladenen Hauptgeschädigten wohnen darum herum. Seine geschädigten Schäfchen haben einen geistigen Trost auch bitter nötig, da eine Hilfe noch lange auf sich warten lässt.

Rudolf Springholz, Böblingen