Gefährliches Spiel mit den Gefühlen der Menschen

Leserbrief vom 18. September 2018 - 15:42

Zum Interview "Wer provoziert, wird wahrgenommen" vom 15. September

Mein Vater war Migrant und trug stets ein Taschenmesser in der Hose bei sich, um uns Kindern beim Sonntagsspaziergang aus Weidenzweigen kleine Flöten herzustellen. In Frankreich hielt man mich 1988 wegen meines Namens für einen Holländer, was nachweislich falsch ist. In meinem Betrieb arbeiten Menschen aus 19 Nationen. Mein bester Arbeitskollege ist einer aus Albanien, der auf dem Wertstoffhof zuverlässiger und engagierter arbeitet als so manch ein "Biodeutscher"!

Der befragte Abgeordnete stammt aus Rumänien und hat wohl eine Asiatin zur Frau. Und in meinem Garten im gleichen Ort stehen nur deutsche Apfelbäume. Wir sind doch längst international, global und digitalisiert. Jetzt müssen die inneren Gefühle der Menschen das noch positiv annehmen durch zwischenmenschliche Begegnungen am Arbeitsplatz, im Privatleben, in den Familien, Vereinen, Kirchen und Gewerkschaften. Zwei meiner zahlreichen Schwiegersöhne sind übrigens keine Schwaben. Wie komisch ist das denn?

Bei Statistiken sollten wir vorsichtig sein, wie die Quelle lautet. Was sagen denn die Kriminalämter zur Häufigkeit des Messers bei Straftaten? Ist nicht der volkswirtschaftliche Schaden von Wirtschafts- und Steuerkriminalität wesentlich höher? Neu war für mich auf Seite 13 nur der "Markt für Unterwäsche, die vor Vergewaltigungen schützen soll", mehr nicht. Was sagen denn Frauen zu solch' einem Blödsinn?

Was ist mit der weltweiten materiellen Ungleichheit, die täglich dramatisch zunimmt, dem Klimawandel, der Abrüstung, dem Pflegenotstand und der Bildung? Schade auch, dass die Kommunalpolitik total fehlte. Wie wäre es denn mit einem landkreisweiten Bürgerentscheid? Was meinen Sie zur Elektrifizierung der Hermann-Hesse-Bahn? Mich stört schon seit Jahren, dass die Politik sich nur noch um ein einziges Thema dreht auf allen Ebenen. Wieviel Prozent Flüchtlinge leben in Deutschland? Und wie viele im Libanon? Übrigens liegt in meiner Schublade noch der Flüchtlingsausweis C von 1960.

Detlef Reppenhagen, Weil der Stadt