Flüchtlinge zu sehr allein gelassen

Leserbrief vom 05. September 2018 - 18:00

Zu den Ausschreitungen in Chemnitz und der Flüchtlingsproblematik

"Rechter Mob", "Hooligans" oder als "Nazis" werden die beschimpft und beschrieben, die in Chemnitz demonstrieren. Obwohl viele Protestler darunter sind, die eher nur protestieren wollen, protestieren gegen Ausländer - seien es Menschen mit Migrationshintergrund oder Flüchtlinge. Dies geschieht vor allem in den fünf neuen Bundesländern, wo es wie in Chemnitz zur regelrechten Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund gekommen ist. Vorangegangen ist eine Messerstecherei mit Todesfolge an einem deutschen Bürger. Auffällig war, dass unter den Protestlern Menschen waren, die offensichtlich den Arm zum Hitlergruß erhoben haben, dazu kann man nur bemerken, das Protestieren gehört zur Demokratie. Aber der erhobene Arm zum Hitlergruß und der Angriff auf Menschen mit Migrationshintergrund ist eine Straftat einschließlich Volksverhetzung. Die vorangegangene Messerattacke an einem Chemnitzer Bürger mit Todesfolge - ausgeübt durch zwei Flüchtlinge, die von der Polizei gefasst worden sind - kann nicht gut geheißen werden. Aber durch die Verfolgung unschuldiger Menschen mit Migrationshintergrund kann dies auch keineswegs gelöst werden. Es ist Sache der Staatsanwaltschaft, herauszufinden, warum die beiden Flüchtlinge zum Messer gegriffen haben. Und diese Personen werden den Fall lösen. Mal sehen und hören, was da vorausgegangen ist und was da rauskommen mag. Ich erinnere an das Lied des singenden Rechtsanwaltes Franz Josef Degenhard, dessen Lied über den Italiener Tonio Schiavo der während eines Trinkgelages mit "Itackersau" bezeichnet worden ist und unter Alkoholeinfluss zum Messer gegriffen und zugestochen hat. Vorab aber ist er beleidigt worden. Nur ein Lied, aber zum nachdenken! Heute nennt man viele Menschen mit Migrationshintergrund "Kanacken" und das darf nicht hingenommen werden. Es sind Menschen - dies vorab. Wir Deutschen würden uns keineswegs freuen, wenn man uns im Ausland lediglich als Nazis bezeichnet oder anspricht.

Wesentlich oder zum Nachdenken wäre, man hätte niemals Flüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund in die neuen Bundesländer schicken oder ansiedeln dürfen. Ähnlich verhält es sich mit den EU-Ländern wie Polen, der Tschechei der Slowakei oder Ungarn. Auch in diesen Ländern wären Protestwellen oder Angriffe auf Flüchtlinge, ähnlich wie in den fünf neuen Bundesländern, zu erwarten. Aber deren Politiker haben verstanden, was sie ihrem Land und den Bewohnern zutrauen können. Die deutschen Politiker aller demokratischen Parteien haben viel zu spät das Flüchtlingsproblem erkannt und erfasst und viel zu spät reagiert. Man hat diese Menschen von Anfang an sich selbst überlassen. Man hätte sie von Anfang an anleiten und informieren müssen über unsere Kultur. Über die Freiheit der Frauen und über unser Verhalten zueinander. Man hätte dadurch der in Deutschland lebenden Bevölkerung, aber auch den Flüchtlingen selbst, viel Leid erspart.

Dieter Mühlhaupt, Jettingen