Die Griechen zahlen hohen Club-Beitrag

Leserbrief vom 31. August 2018 - 18:00

Zur Rettung Griechenlands durch die EU

Die griechische Finanzkrise seit 2010 war spannender als jeder Krimi. Unvergessen sind die Auseinandersetzungen zwischen dem knorrigen Stabilitäts-Schwaben Wolfgang Schäuble und dem griechischen "Anarcho"-Finanzminister Yanis Varoufakis. Letztlich jedoch hat Griechenland mit der Hilfe von EU, Eurozone und Europäischer Zentralbank das Krisenmonster besiegt - zumindest vorerst. Verursacher waren zunächst griechische Regierungen aller Couleur. Die durch den Euro-Beitritt dramatisch sinkenden Kreditzinsen wurden nicht zur Finanzierung von Strukturreformen genutzt, sondern für Wahlgeschenke missbraucht. Die goldene Euro-Clubkarte hat man sich ohnehin nur durch Fälschung der Wirtschaftsstatistiken erschlichen.

Europa hat zu Beginn der Krise 2010 die Chance verpasst, Griechenland den (zeitweisen) Austritt aus der für das Land zu leistungsstarken, unhaltbaren Euro-Champions League zu ermöglichen. Man hat das Gegenteil getan und damit Türen geöffnet, die sich nicht mehr schließen ließen. Wie von einigen Euro-Ländern durchaus gewünscht, ist aus der einst strikten Stabilitäts- mittlerweile eine willfährige Schuldenunion geworden. Haben wir die D-Mark nicht nur deswegen aufgegeben, weil uns der Euro als genauso stabil verkauft wurde?

Mit dem unbedingten Verbleib der Griechen im Euro-Club wollte die Politik einen Präzedenzfall verhindern. Griechenland sollte nicht der erste Dominostein sein, der fällt und der am Ende über Austreteritis aus einem europäischen Gemeinschaftswerk einen geopolitisch schwachen Flickenteppich hätte machen können. Es ging um einen stabilen Zusammenhalt Europas, nicht um Finanzstabilität der Eurozone. Also wurde Griechenland mit knapp 300 Milliarden Euro - davon 80 Milliarden aus Deutschland - "zwangsgerettet".

Dabei handelte es sich zwar schwerpunktmäßig nur um Garantien, die nur dann zu Kreditausfällen führen, wenn Griechenland bankrott geht oder austritt. Für ihre unbegrenzte Euro-Mitgliedschaft zahlen die Griechen unglaublich hohe Club-Beiträge. Renten wurden bereits um 60 Prozent gekürzt. Jeder fünfte Grieche ist arbeitslos, 40 Prozent der Helenen können Miete oder Heizung nicht mehr bezahlen. Die Preise für Immobilien als klassische Vermögensform der Griechen sind um 40 Prozent gefallen.

Auf dem Land ist Tauschwirtschaft - beispielsweise Arztbehandlung gegen einen Sack Oliven - wieder üblich. 400 000 junge, qualifizierte Griechen sind mangels Perspektive ausgewandert und fehlen beim wirtschaftlichen Neuanfang. Ende nicht in Sicht: Heute 18-jährige Griechen werden bis 60 nur Mangelernährung erleben. Nachhaltig gesundes Wachstum schaffen aber eben nur private Investitionen. Nur dann kommt es zum Glücksfall einer Volkswirtschaft: Arbeitsplätze, Einkommen, Konsum und Steuern, mit denen man die Schulden bedienen kann. Ohne mit Freude investierende Unternehmen wird Griechenland nicht die Wachstumsraten erzielen, die Schuldentragfähigkeit erst ermöglicht.

Peter Sohns, Holzgerlingen