Landesregierung zur Verantwortung ziehen

Leserbrief vom 28. August 2018 - 17:12

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Da ich mit Geschädigten der Erdwärmebohrungen befreundet bin, kann ich seit vielen Jahren beobachten, wie stark sich die Schäden ausweiten und unter welcher psychischer Belastung die Betroffenen leiden. Daher folgende Aufforderung an Landrat Roland Bernhard: Ihr Appell an die Betroffenen, unaufgeregt den bisherigen - leider nicht besonders erfolgreichen - Weg weiterzugehen, empfinde ich einfach nur als zynisch. Ich bin überzeugt davon, dass Sie nicht unaufgeregt reagieren würden, wenn Ihr Eigenheim völlig unverschuldet kaputt gehen würde. Sie würden auch nicht unaufgeregt damit umgehen, wenn beispielsweise Ihr Keller plötzlich nass werden würde und sich die Feuchtigkeit ausbreitet, weil Rohre gebrochen sind. Da bleibt nichts anderes übrig, als erst einmal in Vorleistung zu gehen, damit das Haus nicht vollständig unbewohnbar und völlig wertlos wird.

Für mich ist es eine Tatsache, dass sowohl die Landesregierung, als auch das Wasserwirtschaftsamt eine Mitverantwortung haben. Die Gesetzeslage, die Sie als Entschuldigung heranziehen, wurde nicht von uns Bürgern, sondern von der Politik so gemacht. Vor lauter Euphorie über die saubere Energiegewinnung durch Erdwärme hat man schlicht und ergreifend ausgeblendet, was passiert, wenn Anhydrit und Wasser aufeinandertreffen. Wofür bezahlen wir denn ein Geologisches Landesamt?

Ich zahle unter anderem auch Steuern, damit Bürger, die schuldlos in eine bedrohliche Lage geraten sind, unterstützt werden. Die Unterstützung der Betroffenen kann man durchaus als "Lehrgeld" bezeichnen. Aus dem Drama in Böblingen hat man hoffentlich gelernt. Und es ist gut, dass das Thema endlich wieder in der Öffentlichkeit angekommen ist. Mehr Transparenz schadet bestimmt nicht.

Danke an Daniela Braun, Jürgen Kienle und Willi Braumann, die sich trotz teilweise heftiger Anfeindungen und Unterstellungen seit Jahren unermüdlich dafür einsetzen, zusätzlich zur Versicherung auch politische Hilfe einzufordern. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum das schädlich sein sollte. Unsere Stadträtinnen und Stadträte sind doch gewählt, damit sie politisch Einfluss nehmen zum Wohl der Böblinger Bürger und Bürgerinnen und ihre Entscheidungen nach eigenem, besten Wissen und Gewissen treffen.

Heidrun Zweygart, Böblingen