Rücksicht auf Anwohner nehmen

Leserbrief vom 27. August 2018 - 18:54

Zum Rückspiegel "Viel Lärm um nichts" vom 25. August über die Diskussion um eine zu hohe Lautstärke bei der Konzertreihe "Sindelfingen rockt"

Da platzt mir doch der Kragen! "Wer den Lärm nicht will, der muss eben in eine ruhigere Gegend ziehen", meint KRZ-Chefredakteur Jan-Philipp Schlecht in seinem Meinungsbeitrag "Rückspiegel" vom 25. August.

Ja, wo sind wir denn? Schade, dass ich als Oldie es wohl nicht mehr erleben werde, wenn die "Feier-Wütigen" so alt sind, dass auch sie den Lärm nicht mehr ertragen können. Oder so klug werden, um zu bemerken, dass eine feiernde Welt gar nicht laut sein muss. Doch unsere Welt besteht leider nur noch aus Lärm. Denn "Feiern" heißt heute nur noch rücksichtsloser Krach.

"Bei den heute üblichen Lautstärken, egal wo und wann, habe ich um meinen Betrieb überhaupt keine Sorge. Diese Leute werden früher oder später meine Kunden", frohlocken alle Gehör-Akustiker, deren Geschäft seit Jahren boomt. Deshalb kann ich die Aussagen von Jan-Philipp Schlecht nicht nachvollziehen, dass es auf Marktplätzen unerbittlich laut zugehen darf. Es wohnen an den Marktplätzen nämlich nicht nur "verstörte" Alte, dort leben auch Familien mit Babys, Schulkindern, Kranken und Menschen, die wegen der hohen Anforderungen unserer globalen Welt allzeit bereit sein müssen und die ihre Ruhe benötigen.

Gegen ein fröhliches Volksgemurmel plus Unterhaltung auf den Plätzen gibt es bestimmt keine Einwände, aber überspanntes Geschrei und wummernde Plastik-Musik über 80 Dezibel muss aus gesundheitlichen Gründe verboten sein. Es ist doch abartig, dass beispielsweise auf dem Böblinger "Schlemmen am See" die Bands so lärmend sind, dass sich die Gäste nicht einmal mehr unterhalten konnten.

Da werden für die Luftreinhaltung absonderliche und teuerste Klimmzüge gemacht, aber gegen akustische Luftverschmutzung, och nöö. Mein Dank gilt jedenfalls den Verantwortlichen der Ortschaften, die wegen ihrer Bürgerinnen und Bürger Rücksicht walten lassen.

Uwe Jens, Böblingen