Bauen funktioniert nur gemeinsam

Leserbrief vom 20. August 2018 - 14:54

Zu Baustellen in Böblingen

Nach 10 Jahren eigener Berufserfahrung zum Thema bauen im öffentlichen Bereich scheint bei der Stadtverwaltung noch immer nicht die Erkenntnis angekommen zu sein, dass bauen in den meisten Fällen nur "gemeinsam" funktioniert. Dass ein gemeinsames Handeln oberste Devise ist, dass die technischen Interessen und Notwendigkeiten, den allgemeinen Bedarf nach Mobilität und auch die Interessen der ausführenden Baufirmen bzw. auch Bauherren berücksichtigt. Wird in Böblingen gebaut kommt fortwährend der Eindruck auf, dass die Interessenlage folgende absteigende Hierarchie besitzt: Stadtverwaltung, Bauunternehmen bzw. Bauherren und zu guter Letzt kommt dann noch irgendwann der Bürger, für den in vielen Fällen gebaut wird.

Wie schön wäre es, wenn in Böblingen irgendwann die Einsicht aufkommen würde, dass man Baustellen auch ohne Vollsperrungen abwickeln kann. Bauen geht beispielsweise auch mit verschiedenen Bau- und Verkehrsstufen, so dass sich Baustelle und der verbleibende Verkehr die meist begrenzte verbleibende Fläche wechselweise teilen. Auch ist es möglich, einzelne Ampelschaltungen auf die geänderten Verkehrsführungen anzupassen oder auch mit provisorischen Signalisierungen zu arbeiten. Dass das ganze einen Mehraufwand verursacht und auch Mehrkosten mit sich bringt, steht außer Frage. Im optimalen Fall führt es jedoch dazu, dass Baumaßnahmen akzeptiert und von der Allgemeinheit mitgetragen werden.

Aber davon ist die Stadtverwaltung momentan weit entfernt - das zeigen nicht nur die im Artikel aufgeführten Baustellen. Wie kann es sein, dass über zwei Wochen durch Baumaßnahmen im Bereich zwischen Schönaicher Straße und Murkenbachweg der südliche Tannenberg und der Murkenbachweg komplett vom ÖPNV abgeschnitten war - weil man einfach alles gesperrt hat. Über Monate musste an der Ecke Schafgasse/Herrschaftsgartenstraße wegen des dortigen Neubaus eine Umleitung gefahren werden. Passender Weise hieß es auf Nachfrage über die Notwendigkeit von Seiten der Stadt "nach Rücksprache mit dem Fachamt kann ich Ihnen mitteilen, dass sich diese mit der Baufirma/Bauherrn in Verbindung gesetzt haben. Die Baustelle wird Ende der Woche zurückgebaut." Oder erinnert man sich an die Baumaßnahme in der Zeppelinstraße direkt neben dem Kindergarten, wo über mehr als ein Jahr der Gehweg gesperrt war und sich Eltern und Kinder auf dem Weg dorthin sich ungesichert in einer unübersichtlichen Kurve selber den Weg an der Baustelle vorbei bahnen durften.

Ich würde mich freuen, wenn der Ausblick in das Jahr 2020 mit weniger Baustellen sich bewahrheitet - nur fehlt mir persönlich der Glaube daran, da es nicht nur darum geht, wie viele Baustellen zeitgleich vorhanden sind, sondern auch wie man sie abwickelt.

Stefan Burkhard, Böblingen