Zugverspätungen überwiegend hausgemacht

Leserbrief vom 20. August 2018 - 14:54

Zu: Deutsche Bahn im Juli noch unpünktlicher, vom 17. August

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn wird immer unpünktlicher, dabei rechnet die Bahn schon: "Züge bis 5.59 Minuten verspätet sind noch pünktlich". Bei den Nachbarbahnen sind die Züge bereits ab drei Minuten unpünktlich, seltsamerweise erreichen sie trotzdem eine Pünktlichkeit von über 90 Prozent.

Die Hauptursache bei uns: So viele Baustellen wie zur Zeit gab es noch nie, vor Jahren wurde wegen des Börsengangs unheimlich gespart, das rächt sich nun. Neben den Gleiserneuerungen gibt es auch noch regelmäßig Weichen-, Signal- oder Stellwerksstörungen. Wegen der Baustellen gibt es vielfach Streckensperrungen, die Umleitungen führen teilweise zu Verspätungen bis zu einer Stunde.

Die zweite Ursache ist: Technische Störung am Zug. Trotz Hightech-Züge gibt es laufend Tür-, WC-, Klima- oder sonstige Fahrzeugstörungen. Bei lokbespannten Zügen konnte der defekte Wagen ausgestellt werden, einen kompletten ICE kann man nicht so einfach an die Seite stellen.

Die dritte Ursache: zu späte Bereitstellung. Der ICE zum Beispiel von Stuttgart nach Hamburg kommt dort mit 60 Minuten Verspätung an, er sollte eigentlich seit 20 Minuten schon wieder auf der Rückfahrt sein. Es gibt zu wenige Reservezüge, somit fährt er bereits mit einer Verspätung von 20 Minuten ab. Gerade bei den großen Wendebahnhöfen wie Berlin, München oder Basel kommt es regelmäßig vor.

Die vierte Ursache: zuviele Reisende. Es ist erfreulich, dass immer mehr mit der Bahn fahren, das führt aber häufig zu Verzögerungen beim Einstieg. Wenn auch noch wie oft die Meldung zu hören ist: "Zug ist heute umgekehrt gereiht", dann stehen die Reisenden nämlich nicht da, wo ihr Wagen hält. Nun beginnt das große Gerenne auf dem Bahnsteig. Im Fernverkehr wird ja viel mit Gepäck gereist, dann behindern die schmalen Türen und schmalen Gänge in den Wagen einen zügigen Einstieg und es kommt zu erheblichen Verspätungen bei der Weiterfahrt. Ein großes Problem ist bei starkem Reiseaufkommen, man kann am ICE nicht zusätzliche Wagen anhängen, so ist es schon öfter vorgekommen, dass Züge wegen Überfüllung durch die Polizei geräumt wurden. Da sind wir wieder bei obiger Ursache, zu wenige Reservezüge. Außerdem gäbe es aber für diese zusätzlichen Züge keine Lokführer oder Zugbegleiter. Eine Besserung der Situation ist vorläufig nicht zu erwarten.

Wolfgang Roth, Grafenau