Den freiwilligen Dienst honorieren

Leserbrief vom 13. August 2018 - 13:24

Zur aktuellen Diskussion der Wiedereinführen der Wehrpflicht

Wenn Gravitation Krümmung des Raumes ist, dann krümmt die gegenwärtige Diskussion zur Einführung einer Dienst- oder Wehrpflicht das aktuelle Sommerloch medial extrem. Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen flattern die Emotionen gackernd durcheinander und als genervter Bürger wöllte man schreiend in den Wald rennen, wäre der nicht hitzebedingt schwer begehbar.

Wenn man sich zurück nimmt, stehen wir vor folgenden Problemen: Seit Abschaffung der Wehrpflicht sind Bundeswehr und Zivildienst ausgedünnt. Hinten und vorne fehlen Pflegekräfte in Krankenhäusern, zuhause und in Heimen. Verstärkt, seit durch Fallpauschalen Patienten mit teils blutenden Wunden vom Krankenhaus in Heime und nach Hause entlassen werden.

De facto haben wir graduell bereits Dienstpflicht. Ohne die vielen, sich verpflichtet fühlenden, pflegenden Angehörigen und Mitmenschen, die zuhause bis zur Erschöpfung pflegen, sähe es dramatisch aus. Tendenz extrem steigend, da es immer mehr Senioren gibt.

Viele pflegen aus Nächstenliebe, andere, weil die Heimkosten das Familienvermögen schnell ruinieren würden. Es bleibt eine große Pflegelücke.

Die Gesellschaft, Deutsche und Nicht-Deutsche, sollte sich besinnen, das Problem zu lösen. Wenn junge Menschen helfen könnten, sollte das durch Vorteile bei Steuer, Wohnungsvergabe, Studienplatzvergabe, Rentenpunkte, Einbürgerung honoriert werden. Pflicht bringt nichts. Freiwilliger Wehrdienst sollte genauso honoriert werden. Gesellschaft ist ein Geben und Nehmen und ein Miteinander.

Jörg Lanksweirt, Böblingen

Böblingen