Schönaicher "Schuhkartons"

Leserbrief vom 09. August 2018 - 16:12

Zum Leserbrief "Neubauten passen nicht ins Stadtbild" vom 28. Juli

Leider fällt auch in Schönaich das notwendige "Hirn" nicht vom Himmel. Sinngemäß lässt sich der Leserbrief von Manfred Michalik eins zu eins auf Schönaich übertragen. Auch hier sind in den letzten Jahren im Zuge der Nachverdichtung an vielen ortsbildprägenden Stellen "Schuhkartons" entstanden: Seelenlose, in weiß und grau gehaltene Flachdachbunker, ohne jeden Charme, ohne jegliche Ausstrahlung. Das Areal "Filmklause" etwa, in der Bühlstraße 24 oder das Eckhaus Wettgasse/Hofstraße, um nur einige zu nennen. Die jüngste diesbezügliche "Errungenschaft" ist das Gebäude Bahnhofstraße 11, im Vorfeld als "neue Form des Bauens" hoch gelobt: Neu ist hier lediglich der im Erdgeschoss platzierte überdachte Parkplatz.

Für das Ortsbild sind Gebäude dieser Art absolut abträglich. Neben phantasielosen Architekten und anspruchslosen Bauherren sollte man allerdings auch nicht vergessen, wer den Bau solcher Gebäude erst möglich macht: Verwaltung und Gemeinderat, die die "Spielregeln" für die Bebauung von Grundstücken festlegen können. Ich hab mich im Rahmen von "Bürgerfragestunden" und auch mit schriftlichen Eingaben mit diesem Thema an Verwaltung und Gemeinderat gewandt, um für einen sensibleren Umgang mit dem Ortsbild zu werben. Die Reaktionen darauf können als ernüchternd bezeichnet werden. Die Verwaltung hat meine Anfrage nach (wenigstens) einer "Gestaltungssatzung" mit der Aussage: "Das haben wir bisher nicht gebraucht" abgeschmettert. Mir wurde beschieden, es handele sich hierbei "um meinen persönlichen Geschmack und die Geschmäcker seien eben verschieden." Den Nachweis allerdings, dass sich ein Dorf oder eine Gemeinde in Württemberg in seinem historischen Kern durch Flachdachgebäude auszeichnet, sind mit Verwaltung und Gemeinderat bis zum heutigen Tage gänzlich schuldig geblieben.

Es geht nicht darum, Nachverdichtung zu verhindern. Es geht aber sehr wohl darum, bei der innerörtlichen Nachverdichtung die Umgebungsbebauung viel stärker als bisher zu berücksichtigen. Es ist durchaus möglich, stattliche Gebäude mit roten Ziegeldächern zu erstellen und so den benötigten Wohnraum zu schaffen. Gelungene Beispiele dafür: die Bebauung "Am Eichle" und das "Arche-Areal." In Schönaich fehlt zudem - in vielen anderen Gemeinden existieren solche Pläne schon seit 20 Jahren - ein "Gemeindeentwicklungsplan".

Hier kann sich die Bürgerschaft bei der Erstellung beteiligen und Wünsche und Vorstellungen bezüglich der künftigen Entwicklung ihrer Heimatgemeinde einbringen. Im Zeitalter von "Bürgerbeteiligung" und "Transparenz" ist es allerhöchste Zeit, dass dieses Thema auf die Tagesordnung kommt. Es reicht nicht, regelmäßig davon zu reden, dass Schönaich "lebens- und liebenswert" sei, dafür muss man auch etwas tun.

Jürgen Ulmer, Schönaich