CDU war anfänglich gegen Stadtwerke Sindelfingen

Leserbrief vom 08. August 2018 - 17:54

Zum Artikel "Besucher trotzen schlechtem Wetter" vom 26. Juli über die Feier zu 20 Jahren Stadtwerke Sindelfingen

Als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer die jetzt 20 Jahre alte Geschichte der Sindelfinger Stadtwerke. Recht hat er. Allerdings ist es nicht gerade dem Oberbürgermeister zu verdanken, dass diese Erfolgsgeschichte vor 20 Jahren starten konnte. Vöhringer war damals noch Fraktionsvorsitzender der CDU. Die CDU votierte beim Grundsatzbeschluss im April 1998 gegen eine Stadtwerkegründung. Sie sprach damals von "immensen Risiken", von einem "Konzept der unsicheren Hoffnungen und Wünsche" und vertrat die Meinung, dass "unternehmerisches Engagement nicht Sache der Stadt ist." Die CDU wollte nur eine Verlängerung der Konzessionsverträge mit den damaligen Monopolisten EVS (heute EnBW) und NWS (Neckarwerke) vornehmen. Dies wäre die einfachste und einfallsloseste Lösung gewesen.

Es ist den anderen Gemeinderatsfraktionen zu verdanken, dass es damals zur Gründung der Stadtwerke kommen konnte und dass man jetzt ein Jubiläum feiern konnte. Die damalige Gemeinderatsentscheidung war mit 24 zu 17 Stimmen relativ knapp. Von der CDU wurde sogar namentliche Abstimmung beantragt. Zum Glück für die CDU sind jedoch diese Namen seither nie bekanntgegeben worden. Der Oberbürgermeister ist heute Aufsichtsratsvorsitzender eines Unternehmens, das er eigentlich gar nicht haben wollte. Kann so etwas gut gehen? Die Stadtwerke haben in den vergangenen 20 Jahren sicherlich Beachtliches erreicht. Der Ausbau der Fernwärme- versorgung, die Wärmeauskopplung aus dem Daimler-Heizkraftwerk oder die Errichtung mehrerer Blockheizkraftwerke seien beispielhaft erwähnt.

Nicht zu vergessen auch die schwarzen Zahlen, die seit der Gründung kontinuierlich geschrieben werden. Auch auf Bundesebene gab es zukunftsweisende Entscheidungen. Das Gesetz zum Ausstieg aus der Atomenergie beispielsweise oder das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Entscheidungen, die natürlich auch auf ein kommunales Stadtwerkeunternehmen Einfluss haben. In der Energieversorgung steht man heute besser da als vor 20 Jahren.

Markus Wagner, Sindelfingen