Lange machen wir das nicht mehr mit, liebe Mitmachstadt!

Leserbrief vom 03. Juli 2018 - 18:12

Herrenberg rühmt sich, eine Mitmachstadt zu sein. Eine Kommune, in der die Bürger sich engagieren sollen. Schließlich sind sie es, die die Stadt zu dem machen, was sie ist: Sehr sehr lebenswert. Und natürlich familienfreundlich. Doch gerade letzteres scheinen die Verwaltung und auch große Teile des Gemeinderats nicht so wörtlich zu nehmen. Denn im Vergleich mit fast allen Städten und Gemeinden in der Region sind die Gebühren für die Kinderbetreuung in Herrenberg astronomisch hoch. Schon jetzt. Und nun soll eine weitere Erhöhung folgen.

Das Bestreben der Verwaltung und des Gemeinderats, behutsam mit der Stadtkasse umzugehen, in allen Ehren. Aber dieses erneute Drehen an der Gebührenschraube ist schlichtweg der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt. 328 Euro kostet es schon jetzt, ein Kind an fünf Tagen die Woche jeweils 7 Stunden (verlängerte Öffnungszeiten) in die U3-Betreuung zu geben. In Holzgerlingen kostet diese Betreuung knapp 200 Euro, 280 Euro in Sindelfingen (jeweils inklusive Mittagessen). Stuttgart bittet Eltern mit 182 Euro zur Kasse, 242 Euro verlangt die Stadt Wildberg. Auch Nagold - mit dem sich Herrenberg gerne vergleicht - ist deutlich günstiger als die Stadt am Schönbuchrand: 216 Euro zahlt man hier für die Kleinkindbetreuung.

Diese fünf Beispiele zeigen: Die Kommunen im Umland bieten ihren Einwohnern bezahlbare Kitagebühren - und erhöhen ihre Attraktivität für junge Familien so deutlich. Wenn Herrenberg hier mithalten will, ist eine Erhöhung der absolut falsche Schritt.

Familie und Beruf zu vereinen ist eine Aufgabe, die viele Eltern vor große Herausforderungen stellt. Wie flexibel ist mein Arbeitgeber? Wie viele Stunden in der Woche kann ich arbeiten? Und wie viel meines Lohns muss ich für die Betreuung meines Kindes im Monat aufbringen? In Herrenberg, so viel ist klar, ist es eindeutig zu viel. Derart hohe Gebühren bringen Frauen nicht dazu, früh wieder in den Beruf einzusteigen. Denn wenn die Kosten für die Kita einen gehörigen Teil des monatlichen Einkommens ausmachen, überlegt man und frau es sich zwei Mal, das Windeln wechseln mit dem Büro zu tauschen.

In der Gemeinderatssitzung am 17. Juli können die gewählten Gemeinderäte nun beweisen, wie wichtig ihnen ein familienfreundliches Herrenberg ist. Man kann nur hoffen, dass sich die Volksvertreter ihrer Verantwortung für diese gesamtgesellschaftlich unglaublich wichtige Sache bewusst sind.

Moritz Oehl, Herrenberg