Abgehobene Diskussion

Leserbrief vom 02. Juli 2018 - 13:18

Zum Artikel "Verdienen Abgeordnete zu viel?" vom 23. Juni.

Meine Überzeugung: Jede Person soll ein würdiges Einkommen für die Tätigkeit, die sie ausübt und für die Verantwortung, die sie mit der Tätigkeit übernimmt, erhalten. Gerechtigkeit liegt in der fairen Gewichtung des Einkommens, nach Kompetenzen und Verantwortung der Berufsbilder untereinander.

Ein Landtagsabgeordneter mit 7 776 plus 1720 Euro Zuschuss für die private Altersversorgung, ohne Pauschale für allgemeine Kosten, die eine verantwortlicher und nicht geldgeiler Abgeordneter wieder ausgeben müsste, bringt es auf rund 120 000 Euro jährlich. Mit viel Luft nach oben, bei der Ausübung einer zusätzlichen Funktion etwa als Fraktionsvorsitzender.

Verglichen mit dem Jahresgehalt eines Chefarztes in einem kommunalen Krankenhaus mittlerer Größe ab 80 000 Euro sind die Diäten von Landtagsabgeordneten "Fettmacher". Der Chefarzt trägt nicht weniger Verantwortung, ist nicht mit weniger Kompetenz ausgestattet und kommt auch nicht mit weniger lernen aus, als ein "Volksvertreter". Petra Krebs aus dem Zeitungsartikel bekommt möglicherweise jetzt also rund ein Drittel mehr als ihr Chefarzt im Allgäu. Die Tätigkeit eines Landtagsabgeordneten kann natürlich vielschichtig sein und nimmt auch Zeit in Anspruch. Mann muss sich sehen lassen, etwas möglichst Kluges sagen und sich immer dort positionieren, wo die Fotos für die Presse gemacht werden, um wiedergewählt zu werden.

Aber auch Gemeinderäte verlieren viel Zeit bei Sitzungen und müssen sich sehen lassen und Kluges sagen, dafür bekommen sie nahezu nichts. Auch ein Daimler-Arbeiter, der vielleicht aus Triberg im Schwarzwald im Zweischichtbetrieb eingesetzt wird muss morgens spätestens um 4 Uhr aufstehen, um seine Schicht um 6 Uhr in Sindelfingen zu beginnen. Vor 17 Uhr wird er wohl nicht zu Hause sein und um 20 Uhr muss er ins Bett, wenn er acht Stunden schlafen will. Er bekommt dafür nur ein Drittel dessen, was ein Abgeordneter an Monatsdiät bekommt und erst nach 45 Arbeitsjahren zirka 1400 Euro Rente, was der Abgeordnete schon nach wenigen Monaten Tätigkeit im Landtag verdoppelt im Alter bekommt.

Dennoch werde ich deshalb nicht vor Wut schäumen. Wenn aber mit den Aussagen aus von Petra Krebs vermutlich als Krankenschwester im Dreischichtbetrieb: ("ein gutes Leben als Krankenschwester"), Sascha Binder: ("Attraktiv aber weniger wegen des Geldes", "Diäten auskömmlich und angemessen") und Salomon: ("viele gut verdienende Menschen abschreckt") der Eindruck geweckt werden soll "dass es hartes Brot ist Abgeordneter zu sein", dann haben sie nicht verstanden, warum Bürger und vor allem echte Malocher nicht mehr wählen gehen oder die AfD, Lega Nord in Italien, Le Pen in Frankreich und weitere wählen. Es ist diese Art sich als "gleichbenachteiligt" zu geben, trotz der Augenstecherei bei der Kandidatenaufstellung und Privilegien, die die Pferde vor der Apotheke kotzen lassen.

Bernardino Di Croce, Sindelfingen