Das Geheimnis der langen Bauzäune

Leserbrief vom 18. Juni 2018 - 15:24

Zum Thema "Bauzäune entlang der Schönbuchbahn-Baustellen".

Seit etwa einem Jahr wird die Schönbuchbahn auf zweigleisigen Betrieb umgerüstet. Schon lange vor Beginn der Bauarbeiten waren im Wald rechts und links der Strecke lange Bauzäune errichtet worden. Manch einer wird sich gefragt haben: Wozu mitten im Wald ein Zaun? Etwa zum Schutz gegen Rehe? Seltsam. Gibt es da vielleicht eine Vorschrift (sinnlose Vorschriften haben wir ja zur Genüge)? Aber nein, auch nach langer Suche im Netz ist darüber nichts zu finden!

Wir müssen das Problem anders angehen: Allein zum Zwecke der Sinnlosigkeit tun Menschen eigentlich nie etwas; für irgendjemanden stellt dieser Zaun irgendeinen Vorteil dar - es muss ja nichts mit der Abzäunungsfunktion zu tun haben. Logisch: Geld! Hier verdient jemand! Wir rekapitulieren: Ein unnötiger Zaun steht unnötig lange irgendwo im Wald. Logischer Rückschluss: Das Zeug wird meterweise und tageweise vermietet. Wieder flugs recherchiert, Bingo, richtig geraten! Irgendwo zwischen 25 Cent und einem Euro scheinen die üblichen Preise je Drei-Meter-Segment und Tag zu liegen.

Rechnen wir mal überschlägig nach (Zaunlänge im Wald etwa sechs Kilometer): Sechs Kilometer Zaun werden für 400 Tage vermietet. Drei Meter Zaun kosten pro Tag einen Euro. Wie hoch ist die Miete? Ergebnis: 800 000 Euro. Wenn wir von 25 Cent statt einem Euro pro Segment ausgehen, sind es immer noch 200 000 Euro. Kein Pappenstiel.

Szenenwechsel: Derzeit wird an der Herrenberger Straße gebaut. Sie wissen schon, worauf ich hinaus will? Genau: Schon wieder ein wahnsinnig langer Bauzaun, dessen Sinnhaftigkeit sich einem nicht erschließt; selbstverständlich nicht nur in Richtung Gehweg, sondern auch in Richtung Acker und Wiese. Die Schätzung der Zaunlänge und die Berechnung der Kosten sei diesmal dem interessierten Leser überlassen. Kommen Sie und bestaunen Sie die kunstvolle Führung des Zauns weit in Einfahrten hinein, bewundern Sie seinen kühnen Schwung um Rasenstücke, sehen Sie, wie er sich an undurchdringliche Hecken anschmiegt - hier zählt wirklich jeder Meter!

Damit aus dieser Geschichte ein richtiger Krimi wird, fehlt jetzt nur noch die Verbindung zwischen Entscheidungsträgern und Ausführenden des Zaunbaus. Spannender Nebenaspekt: Bis zu einer gewissen Auftragshöhe (je nach Bundesland 100 000 Euro) darf die Öffentliche Hand unter gewissen Voraussetzungen Aufträge ohne Ausschreibung vergeben. Fortsetzung folgt?

Peter Kutschke, Böblingen