Vorplanung hat nochviele Ungenauigkeiten

Leserbrief vom 14. Juni 2018 - 16:30

Zum Artikel "Die Klinik fingert Richtung See" vom 9. Juni

Mit 130 Metern auf 220 Metern hat der Gebäudekomplex eine Grundfläche oder bebaute Fläche laut Taschenrechner von 28 600 Quadratmetern und nicht wie Herr Stürm berichtet, eine Grundfläche von 120 000 Quadratmetern. Das ist die Gesamtfläche, Fachleute sprechen von der Brutto- Grundfläche (BGF). Und das bedeutet Flächen über alle Geschosse.

Das zur Verfügung stehende Areal hat nach meiner Kenntnis eine Größe von fünf Hektar (50 000 Quadratmetern). Bei einem Uefa-Fußballfeld (Norm) von 105 Metern auf 68 Metern, also 7140 Quadratmetern kommt man bei den erwähnten 15 Fußballfeldern auf ein Areal von 107 100 Quadratmetern. Selbst bei einem Minimalfußballfeld sind es 60 750 Quadratmeter. Wie passt das zusammen? Wie ist das gerechnet worden?

In einer Bürgerinformation wurde 2017 dokumentiert, dass der Standort des Verwaltungsgebäudes Richtung Dagersheim verschoben werden soll. Und jetzt steht es wieder an der alten Stelle. Wieder eine bewusste Steuerung der Verantwortlichen? Wo ist der Nachweis in einem Raumbuch, dass das Verwaltungsgebäude in dieser Größe überhaupt benötigt wird? Landrat Bernhard hat hoch und heilig versprochen, die Kosten von 450 Millionen Euro zu halten. Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir schon bei 550 Millionen Euro - 100 Millionen mehr werden dem Steuerzahler aus der Tasche gezogen. Und das ist sicher nicht das Ende.

Und dann wird in der Presse berichtet, dass die behaupteten Tatsachen der Kritiker falsch sein sollen, die sich schon öfters zu Planungsfehlern und höheren Kosten äußerten. Man könnte noch mehr Planungsfehler aufzählen und wo die Bürgerschaft beschissen und betrogen wird. Und das Schlimmste ist, keiner wird für diese Salamitaktik zur Verantwortung gezogen und/oder haftet persönlich wie ein mittelständischer Unternehmer. Es ist ein Trauerspiel.

Aber nach dem Gesetz der Resonanz kommt das, was man aussendet, wieder auf einen zurück. Und der Landrat glaubt dann auch noch, dass er einen Landeszuschuss von 50 Prozent bekommen wird. Der Planung- und Bauausschuss des Kreistages kann am 18. Juni nicht guten Gewissens dieser Vorplanung zustimmen, die noch so viele Ungenauigkeiten hat. Der Baubeschluss - vorgesehen für April 2019 - der vom neuen Kreistag genehmigt werden muss, ist damit sehr fraglich.

Und die beiden Oberbürgermeister von Böblingen und Sindelfingen sollten sich wirklich mal genau überlegen, wer sie gewählt hat. Es ist die Bürgerschaft und nicht der Landrat und nur ein kleiner Teil der Kreisratsmitglieder. Die OB sind mitverantwortlich für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger ihrer Städte und sollten sich im Sinne der Bürger mit Mut und Stehvermögen positionieren, ohne Angst zu haben, das Gesicht zu verlieren. Ich habe diesbezüglich hohe Erwartungen in den neuen Böblinger OB.

Albrecht Schlenker, Dagersheim