Kleinere Strukturen sinnvoller als ein Domo Novo

Leserbrief vom 11. Juni 2018 - 18:12

Zum Projekt Domo Novo

So ganz habe ich bis heute nicht verstanden, was in den sanierten Räumen eines Domo Novo alles geschehen soll und welche Erleichterungen dies für die Nutzer und die vielen kulturschaffenden Vereine mit sich bringen soll. Meine Erfahrung nach mehr als 50 Jahren Vereinstätigkeit und fünf Vereinsgründungen sowie Mitgründungen mit dem Ziel der Kulturschaffung zur Förderung der Gemeinsamkeit zwischen Einheimischen und Eingereisten hat mir offengelegt, dass fast alle guten Absichten über kulturelle Events, die Gemeinsamkeit zu fördern, an fehlendem Geld gescheitert sind.

Vor allem Vereine mit Migrationshintergrund schreiben sich die Finger wund mit Begriffen wie Kultur, Völkerverständigung, gemeinsame Gestaltung oder international in den Satzungen. Am Ende aber reduzieren sich die meisten davon aus Kostengründen zu unansehnlichen und national abgeschotteten "Kneipen", die auch die Integrationsbemühungen anderer konterkarieren. Bei einem Viertel der Bevölkerung Deutschlands, bestehend aus Ausländern und "Deutschen mit Migrationshintergrund" (Eingedeutschten), dürfte die Einbeziehung dieser Personengruppe bei der Kulturgestaltung nicht mehr vernachlässigt oder weiterhin ignoriert werden.

Selbst das Internationale Straßenfest, das hie und da als "Lokomotive der Integration" gelobt wird, müsste man diesbezüglich ein wenig genauer unter die Lupe nehmen. Es sich bei einem Maß Bier gemütlich zu machen, einen gegrillten Tintenfisch zu genießen und nebenbei auch die exotischen Klänge einer Tarantella zu hören, beinhaltet nichts Verwerfliches, vielleicht erzeugt es sogar etwas Toleranz unter den Menschen, aber bis zur Gemeinsamkeit in der Gestaltungsvielfalt, sich zu einem Land, dessen Vorzügen und zu einem Volk zu bekennen, ist es ein weiterer Weg. Meine deutsche Frau und ich als Italiener haben uns nicht deshalb gegenseitig integriert, weil wir abwechselnd den norddeutschen Kartoffelsalat und am nächsten Tag die Bucatini Matriciana gekocht und gegessen haben. Wir haben zusammengelebt, Kinder gezeugt, gemeinsam Verantwortung übernommen und unser Leben und das Leben der Kinder gemeinsam gestaltet.

Wenn schon Millionen für die Sanierung des Domo-Gebäudes ausgegeben werden, dann muss man die Sache auch zu Ende denken. Die Wohnungseigentümer und Privatinvestoren sitzen am längeren Hebel gegenüber der Stadtverwaltung mit ihren sozialen Aufgaben und können ihre Konditionen durchsetzen. Das kann auch bedeuten: ein Riesengebäude mit vielen Kompromissen bei der Sanierung, permanente Reibungen in der Fortführung, die weiterhin Energie und Mittel verschlingt.

Geld, das nicht zweimal ausgegeben werden kann und möglicherweise früher oder später der Kultur entzogen wird. Kleinere, zeitgemäßere Baustrukturen, die weniger erpressbar machen, scheinen mir, ohne jemand zu nahe treten zu wollen und bei vollem Respekt für die Bürger, sinnvollere Alternativvorschläge zu sein.

Bernardino Di Croce Sindelfingen, Vorsitzender des Vereins Migration und Integration