Autos verhindern Aufwertung des Schlossbergrings

Leserbrief vom 22. Mai 2018 - 16:36

Zum Bericht vom 16. Mai zu den Entwicklungszielen für den Schlossbergring.

Fortschrittliche Städte verbannen den Kfz-Verkehr aus dem Zentrum. Ein zentraler Ort wie unsere "Stadtautobahn Elbenplatz" würde beispielsweise zur Fußgängerzone erklärt und so zum Flanieren oder gar Boccia spielen einladen. Neue Parkplätze gäbe es dann auf den Sackgassen Herrenberger Straße oder Brumme-Allee. Leider denken wir immer noch ohne ganzheitliches Verkehrskonzept. Manche blenden aus, dass zu Fuß gehen, Rad fahren, den Bus nutzen, auch als Verkehr zu bezeichnen sind. So setzen wir beim Masterplan Schlossbergring weiterhin auf viel Kfz-Verkehr und Kurzzeit-Parken, möglichst vor jeder Ladentüre. Wie soll das zusammenpassen: Aufenthaltsqualität schaffen, in Ruhe ungestört von einem Laden zum nächsten Flanieren, quer über die Gassen gehen oder gefahrlos radeln, wenn dauernd Autos den Weg versperren, die Luft verpesten und Krach machen?

In den neuen Plänen zu den Leitzielen steht an allen heutigen Parkplatzreihen des Rings: "Kurzparkplätze in ausreichender Zahl erforderlich" - angemerkt sogar in der Stadtgrabenstraße, nahe dem Eingang der - trotz erste halbe Stunde kostenlosem Parken - meist freien Marktplatztiefgarage. Man hat den Eindruck, parkplatzmäßig soll sich beim Masterplan Schlossbergring nichts ändern, Kfz-Verkehr und -Parken dürfen nicht behindert werden! Auf Seite 20 heißt es: "Ausreichend Parkplätze vorhanden". Diese Aussage ist falsch, sie müsste heißen: "Zu viele Parkplätze vorhanden". Denn, wenn die Stadt "einschließlich der in Laufnähe zu Elbenplatz und Poststraße gelegenen CCBS-Tiefgarage" Stellplätze im Wert von bis zu 24 Millionen Euro dauernd leer stehend hat, dann haben wir zu viele Stellplätze - die privaten, ebenfalls nicht ausgelasteten Parkhäuser, noch gar nicht berücksichtigt.

Der öffentliche Raum ist für alle da, nicht allein zum Zustellen mit Blech oder für die private Kurzzeitentsorgung eines Kfz. Die Lebensqualität lässt sich enorm verbessern, wenn mehr Kunden oder Behördengänger ihre sperrigen Kisten zu Hause lassen, stattdessen zu Fuß, mit E-Bike, Pedelec oder ÖPNV kommen.

Hubert Bohner, Böblingen