Radautobahn ein Schildbürgerstreich

Leserbrief vom 15. Mai 2018 - 16:30

Zur geplanten Radschnell-Verbindung zwischen Böblingen und Stuttgart

Die Idee, aus der denkmalgeschützten Kopfsteinpflasterstraße zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart-Rohr einen Radschnellweg zu machen, kommt einem Schildbürgerstreich gleich! Erstens: Zu was hat man diese Straße - ein Zeugnis der Straßenbaukunst aus den 20er- und 30er-Jahren, die wohl die letzte kilometerlange Strecke diese Art in Baden-Württemberg ist - unter Denkmalschutz gestellt, um sie dann doch fast ganz verschwinden zu lassen? Das ist nicht Sinn der geschichtsbewahrenden Denkmalspflege! Hier stehen doch keine großen Wirtschaftsinteressen im Raum! Denn, wo ist zweitens der Wirtschaftlichkeitsnachweis? Insgesamt 3,2 Millionen Euro Bau- und Folgekosten für eine nächtliche Beleuchtung, gegenüber einer kleinen Gruppe Radfahrer. Auf der Hoffnung, dass da mal 2000 Radler unterwegs sind? Wenn es vielleicht 50 bis 100 gibt, ist das wohl realistischer. Denn: Es gibt ein sehr gutes ÖPNV-System (S-Bahn, Bus), das schon heute von vielen Radlern genutzt wird, auch weil es eine sehr schnelle Verbindung in der ganzen Region bietet!

Ich appelliere daher an den gesunden Menschenverstand der politischen Akteure: Werden Sie Ihrem Auftrag als echte Volksvertreter gerecht und werden Sie nicht zum Erfüllungsgehilfen einer grünen Politik der einseitigen Bevorzugung! Der Aufwand - Gelder, die an anderer Stelle fehlen - für eine kleine Gruppe steht im krassen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen! Das ist klare Steuerveruntreuung! Wenn Sie etwas für die Umwelt tun wollen, warum werden dann nicht die Ampelschaltungen optimiert? Denn: Wie oft steht man - außerhalb der Hauptverkehrszeit - an fast leeren Kreuzungen vor roten Ampeln?

Dietmar Witulski, Böblingen