Gefährliche Verharmlosung des Klimawandels

Leserbrief vom 14. Mai 2018 - 16:30

Zum Leserbrief von Hermann Ams zur "Übertriebener CO2-Hype" vom 4. Mai

Der frühere UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte den Klimawandel die größte Herausforderung, vor der die Menschheit je stand. Ich bin deshalb der Meinung, dass die Leserinnen und Leser nicht durch Halbwahrheiten und Fehlinformationen verunsichert werden dürfen. Ich habe deshalb einen Freund, der sich intensiv mit der Materie beschäftigt, gebeten, mir die Zusammenhänge zu erklären.

Der Verlauf der durchschnittlichen Erdtemperatur wird durch drei Faktoren beeinflusst. Die ganz großen Schwankungen in den letzten 800 000 Jahren wurden durch Veränderungen der Erdumlaufbahn um die Sonne verursacht. Diese Veränderungen sind etwa alle 100 000 Jahre aufgetreten und haben zu Warmphasen und zu Eiszeiten geführt. Die letzte Eiszeit war vor etwa 20 000 Jahren zu Ende. Durch die veränderte Umlaufbahn der Erde stieg die Erdtemperatur um etwa sechs Grad Celsius an.

Seit 10 000 Jahren sind wir wieder in einer Warmphase, in der die Erdtemperatur nur um etwa 0,6 Grad schwankte. Diese Schwankungen entstehen durch Veränderungen der Strahlungsintensität der Sonne. Dies bewirkte einen Anstieg der Erdtemperatur im Mittelalter um etwa 0,2 Grad und eine erneute Absenkung der Temperatur um 0,5 Grad im 16. Jahrhundert, mit einem leichten Wiederanstieg um 0,3 Grad bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Erdtemperatur wird aber auch durch die Zusammensetzung der Erdatmosphäre beeinflusst, nämlich durch sogenannte Treibhausgase. Dies sind: Kohlendioxid (CO2), Methan, Lachgas und auch Wasserdampf. Diese Gase bewirken, dass die kurzwellige Strahlung der Sonne auf die Erde durchgelassen, aber die langwellige Wärmestrahlung der Erde zum Teil wieder zur Erde zurückreflektiert wird. Das Problem ist, dass geringe Veränderungen in der Konzentration dieser Gase schon sehr große Auswirkungen haben.

In den Eiszeitphasen betrug die CO2-Konzentration 0,02 Prozent, also 200 ppm und in den vier Warmphasen der letzten 500 000 Jahre war die Konzentration des CO2 nie höher als 280 ppm. Das war auch so in der jetzigen Warmphase bis zum Beginn der Industrialisierung. Durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas wird das CO2, das vor etwa 150 bis 350 Millionen Jahren in Bäumen, Pflanzen und Algen gebunden wurde, wieder in die Atmosphäre ausgestoßen. In den ersten 150 Jahren der Industrialisierung wurde noch relativ wenig CO2 ausgestoßen, dementsprechend stieg der CO2-Gehalt der Atmosphäre auf etwa 320 ppm an. In den letzten 60 Jahren ist aber der CO2-Gehalt durch den hohen Kohle-, Erdöl- und Erdgasverbrauch auf über 400 ppm angestiegen. In diesen 60 Jahren ist die mittlere Erdtemperatur um 0,9 Grad angestiegen. Da es in dieser Zeit keine relevanten Veränderungen bei der Strahlungsintensität der Sonne gab, sind sich die Wissenschaftler des UNO-Klimarates einig, dass dieser Temperaturanstieg hauptsächlich durch CO2-Ausstoß verursacht wird. Hinzu kommt der Ausstoß von Methan, beispielsweise durch Lecks bei der Erdöl- und Erdgasförderung und durch den Ausstoß von Lachgas, das vor allem durch die starke Düngung in der Landwirtschaft entsteht.

Ein großes Problem kommt hinzu: Durch den Temperaturanstieg beginnen die Permafrostböden in Kanada und in Sibirien aufzutauen. Dadurch werden große Mengen von Methan entweichen, das in den Moorböden gebunden ist. Da Methan 23-mal klimaschädlicher ist als CO2, ist zu befürchten, dass der Klimawandel schon in wenigen Jahrzehnten nicht mehr gestoppt werden kann. Durch den Temperaturanstieg schmelzen die Gletscher und das Grönlandeis, dadurch steigt der Meeresspiegel. Wenn das Grönlandeis ganz abschmilzt, steigt der Meeresspiegel um 7 Meter an! Dadurch werden weite Bereiche der Erde, die dicht bevölkert sind, überflutet. Die Verharmlosung des Klimawandels ist daher in höchstem Maße unverantwortlich.

Konstantin Russky, Böblingen