Erzkonservative Glaubenshaltung gefährdet Reformkurs

Leserbrief vom 08. Mai 2018 - 17:18

Zum Thema Kreuz in Holzgerlingen und zur bayerischen Kreuzverordnung.

Der Holzgerlinger Gemeinderat hat entschieden, dass das Osterweg-Kreuz ein Jahr lang stehen bleiben darf. Im Leserbrief vom 24. April behaupten B. und G. Aigner, nur Jesus Christus habe durch sein Opfer am Kreuz den Weg zum Vater im Himmel frei gemacht. Dies ist eine vorkonziliare Exegese und entspricht nicht den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Schon damals, 1962-65, und bei der Würzburger Synode 1971-75 wurde jeweils in den Beschlüssen zur Mission aufgezeigt, dass auch Gläubige nichtchristlicher Religionen den Weg zum Himmel finden können. Papst Benedikt XVI. hat während seiner Amtszeit diese Beschlüsse rückgängig gemacht, obwohl er sie als Berater von Kardinal Frings beim Konzil mitformuliert hatte. Seine erzkonservative, andere Religionen diskreditierende Glaubenshaltung hat derzeit wieder Konjunktur.

In Bayern wird durch die Verpflichtung zum Anbringen von Kreuzen in allen staatlichen Behörden das Kreuz als Symbol christlichen Glaubens für politische Zwecke missbraucht. Sie ist ein Rechtsverstoß, weil sie die Neutralitätspflicht des Staates verletzt. Unsere Landesregierung hingegen hält nichts davon, Kreuze verpflichtend anzubringen.

Reinhard Marx, Münchner Kardinal und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz sagt: "Der Staat kann nicht von sich aus das Zeichen des Kreuzes definieren. Das geschieht durch die Botschaft des Evangeliums." Die Stellungnahme der Evangelischen Kirche lautet ähnlich.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Papst Franziskus mit Hilfe seiner Getreuen den Riesentanker Vatikan auf Reformkurs hält.

Karl Weis, Holzgerlingen