Flüchtlinge: Menschen sollen Flagge zeigen

Leserbrief vom 04. April 2018 - 16:24

Zum Thema Flüchtlinge und deren Aufnahme in Böblingen

Am 25.11.2015, also vor mehr als zwei Jahren, hat die Stadt Böblingen eine Aufsehen erregende "Böblinger Erklärung zur Zuwanderung von Flüchtlingen" veröffentlicht. Darin heißt es: Die Stadt Böblingen verteidigt fundamentale europäische Werte unserer Gesellschaft und verurteilt jede Form von Übergriffen gegenüber Flüchtlingen. Rechtsextremismus und Rassismus haben in Böblingen keinen Platz. Und im Leitbild 2020 heißt es: Neubürgerinnen und Neubürger werden willkommen geheißen und ihre Integration wird unterstützt.

Es ist erfreulich, dass sich die Behörden in Stadt und Landkreis Böblingen bis heute grundsätzlich daran halten und die Flüchtlinge dort viel Hilfe erfahren. Allein, Integration kann nur gelingen, wenn es genügend Helfer gibt, die den Flüchtlingen im Spracherwerb und bei den vielen Problemen des täglichen Lebens unter die Arme greifen. Gab es damals viele Freiwillige, die sich dafür ehrenamtlich engagiert haben, so traut sich heute kaum noch jemand, dem politischen Wind zum Trotz sich für Mitmenschlichkeit, Zuwendung und Hilfsbereitschaft zu entscheiden.

Wenn der neue Bundesinnenminister bereits wenige Tage nach der Bildung einer neuen Regierung mit Schlagworten eine emotionale Stimmungsmache gegen Flüchtlinge betreibt, anstatt eine sachlichen Lösung der zweifellos vorhandenen Probleme anzugehen, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Stimmung in der Bevölkerung mehr und mehr zu reservierter Zurückhaltung tendiert. Aber wir dürfen doch das Feld nicht dem Populismus und der Fremdenfeindlichkeit überlassen. Wo soll denn unsere Gesellschaft hinsteuern, wenn ehrenamtliche Helfer heute als "Gutmenschen" beschimpft werden.

Ich bin stolz darauf, ein Gutmensch zu sein und ich lade Sie ein: wagen auch Sie es, der Menschlichkeit und sozialen Verantwortung eine Stimme zu geben. Zeigen Sie Flagge! Es kann doch nicht sein, dass wieder irgendwann unsere nachfolgende Generation die Frage stellt: Und was habt Ihr damals getan? Es ist keine Frage, die Integration der Immigranten, woher auch immer, wird uns noch lange und sehr fordern, aber wir sollten es angehen und mit genügend Engagement und Ausdauer werden wir es auch schaffen!

Herbert Hack, Mitglied im Café Asyl in Böblingen