Lesermeinung: Staatsbürgerschaft ist nicht alles

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    Symbolbild: Archiv

Leserbrief vom 03. April 2018 - 13:54

Zum Thema Staatsbürgerschaft und Volkszugehörigkeit

Ich stieß zufällig im Computer auf eine früher ausgestrahlte Sendung von Markus Lanz. Dort behauptete AfD-Funktionär Alexander Gauland, als es um die Frage ging, wer Deutscher ist: Wer die Deutsche Staatsbürgerschaft hat, ist Deutscher. Dem widerspreche ich. Ich selbst bin 85 Jahre alt, wurde im Dorf Krickerhau in der Slowakei geboren und hatte zunächst die tschechische, später die slowakische Staatsbürgerschaft und wurde nach dem Kriege 1945 als Deutscher misshandelt. Obwohl meine Vorfahren zirka 700 Jahre in dem Dorf Krickerhau wohnten und verschiedene Staatsbürgerschaften innehatten - Ungarn, Tschechien, Slowakei -, blieben sie Deutsche.

Die Vorkriegszeit, die Kriegszeit und die Nachkriegszeit hat deutlich Antwort gegeben, wer Deutscher ist. Beispiele: In der Vorkriegszeit wurden Deutsche (polnische Staatsbürger) massakriert. In der Kriegszeit, wurden Deutsche als Staatsbürger der Sowjetunion misshandelt, ihres Besitzes beraubt, nach dem Osten verfrachtet und auf offenem Felde ausgesetzt. Nachkriegszeit: In dieser Zeit wurde klar erkennbar, wer Deutscher ist. Die Sieger des Krieges beraubten die Deutschen um alle Rechte, ausgenommen das Recht zu sterben. Auf der Potsdamer Konferenz legten die drei Siegermächte gültig für alle Staaten fest, wie man mit den Ausland-Deutschen umgehen kann.

Hier erwähne ich zum ersten Male den Begriff volksdeutsch. Und zu Recht muss aus diesem Wort (interpretiert) gesagt werden: Deutscher ist, wer in guten wie auch in schlechten Zeiten sich mit dem deutschen Volke einig und betroffen fühlt. Hierzu braucht man keine Staatsbürgerschaft. Im Osten, ich kann nur von der Slowakei genaues sagen, wurden die Menschen nicht nur nach Staatszugehörigkeit befragt, sondern auch nach ihrer Volkszugehörigkeit. Im Denken, Sprechen, und Fühlen sage ich mit Freude: Ich bin ein Deutscher!

Sollte man die vielen nach Deutschland anders sprachlich eingewanderten Ausländer, die die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, nicht fragen, ob sie Deutsche sein wollen? Wenn sie mit Ja antworten, dann gehören sie dem Volke an, welches viele Kriegsverbrechen begangen hat. Der Deutsche darf dem nicht widersprechen oder eingrenzen, ihm wird gedroht mit Gefängnis. Kurz ausgedrückt: Um Deutscher zu sein, braucht man keine Staatsbürgerschaft. Ein Staatsbürger mit deutschen Pass ist noch lange nicht ein Deutscher.

Josef Grollmuß, Grafenau