Radschnellverbindung muss über den Sandweg führen

Leserbrief vom 16. Oktober 2017 - 14:54

Zum Thema "Geplante Streckenführung für die Radschnellverbindung Stuttgart-Böblingen".

Radler suchen sich die für sie am günstigsten Wege. Sie nehmen auch mal einen kleinen Umweg in Kauf, wenn sich dadurch unnötige Höhenmeter einsparen lassen.

Diese für die Radverkehrsplanung wichtigen Grundregel missachtet die Böblinger Stadtverwaltung bei ihrer Version des Radschnellweges von Böblingen nach Stuttgart. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Route stellt nicht nur topografisch weitaus größere Herausforderungen an die Radler, sondern ist auch länger und macht auf wenigen Metern zwei ampelgeregelte Straßenquerungen mit zusätzlichen Wartezeiten für Radler und den Autoverkehr notwendig. Insofern widersprechen die Böblinger Planungen an mehreren Punkten den Anforderungen an eine möglichst schnell und komfortabel zu befahrende Radschnellverbindung.

Sicher wäre die Asphaltierung des Sandweges ein Eingriff in den Wald, der aber durch die rege, emissionsfreie Nutzung der Radschnellstrecke, ganz im Sinne des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Böblingen, mehr als kompensiert würde.

Die von der Stadtverwaltung favorisierte Route besteht, wenn auch nicht optimal ausgebaut, bereits heute, wird aber von Radfahrerinnen auf dem Weg nach Stuttgart so gut wie gar nicht angenommen. Sollte die Radschnellstrecke in der vorgeschlagenen Form verwirklicht werden, ist davon auszugehen, dass sich der Radverkehr in Fahrtrichtung Stuttgart auch weiterhin über den Sandweg abspielt und dass die Investitionen an dieser Stelle nicht in den Sandweg gesteckt - sondern in den Sand gesetzt werden. Wieder einmal wird damit eine Chance vertan, eine attraktive Lösung für weniger Verkehrsstau und weniger Umweltbelastung zu schaffen.

Beachtenswert finden wir in diesem Zusammenhang, dass diejenigen, welche die Radroute in Zukunft nutzen sollen, bei der Entscheidungsfindung absolut außen vor geblieben sind. Weder die regelmäßigen Teilnehmer der AG Radverkehr in Böblingen, noch die Verbände ADFC und VCD, wurden zu den möglichen Streckenvarianten befragt.

Aus unsere Sicht ist die Führung der Radschnellstrecke über einen asphaltierten Sandweg zur Römerstraße, die einzig sinnvolle Lösung, wenn wirklich konsequent eine deutliche Erhöhung des Radverkehrsanteils angestrebt wird. Optimal wäre hierbei eine kreuzungsfreie Querungsmöglichkeit über die Panzerstraße auf den Sandweg im Bereich des Thermalbadknotens, die sicher auch gerne von Wanderern und Spaziergängern angenommen würde.

Roland Schmitt, ADFC Böblingen/Sindelfingen