Alternative zum Großprojekt: Krankenhäuser erhalten

Leserbrief vom 18. April 2017 - 16:30

Zum Artikel "Das Gesicht des Großprojektes" vom 5. April

Am 12. Mai 1525 verloren in der Schlacht von Böblingen mehr als 3000 Bauern ihr Leben. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts bestand die Bevölkerung zu 80 Prozent aus Bauern. Diese größte Bevölkerungsgruppe trug die Last des Staates: Die Bauern finanzierten mit ihren Abgaben den Adel und die Geistlichkeit. Durch die hohen Abgaben blieb ihnen immer weniger zum Leben. In dieser Not schlossen Sie sich zusammen und begannen in ihrer Verzweiflung den Kampf gegen die Feudalherrschaft. Ein ungleiches Unterfangen: Sie sind unerfahren im Kampf und den Rittern auch in ihrer Ausrüstung hoffnungslos unterlegen. Dreschflegel und Sauspieße gegen Rüstungen, Schwerter und Kanonen, die die Feudalherren zur Sicherung ihrer Macht mit den Zwangsabgaben der Bauern finanzieren konnten.

In ihrem Artikel "Flugfeldklinik soll 2024 in Betrieb gehen" vom 15. März 2016 fragen Sie: Kommt ein Kommunikationsmanager? Diese Frage hatte sich aufgedrängt, nachdem es starke Vorbehalte in der Bevölkerung gegen dieses Projekt und vor allem gegen den Standort auf dem Flugfeld gab. Daraufhin wurde Prof. Brettschneider von der Uni Hohenheim beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Darin machte er deutlich, dass weder "platte PR, noch Überredung" die Bürger von diesem Projekt überzeugen können. Der Rat von Prof. Brettschneider, möglichst früh für einen offenen und ehrlichen Dialog mit den Bürgern zu sorgen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, wurde von den Machern des Projektes verpasst.

In ihrem Artikel vom 5. April dieses Jahres stellen Sie nun Frau Dehoust als "das Gesicht des Großprojektes" vor. Sie soll also "eine Gruppe älterer Menschen" von der Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens überzeugen. Aus dem ersten Gespräch mit der Bürgerinitiative hat sie erkannt, dass "diese Gruppe nicht so leicht von ihrer Haltung abzubringen ist." Damit hat Sie Recht!

Seit 1525 haben wir es miteinander geschafft, eine funktionierende Demokratie aufzubauen und zu praktizieren. Deshalb erwarten die Bürger, in den Entscheidungsprozess ihrer medizinischen Versorgung einbezogen zu werden. Wir halten es schon lange nicht mehr für zeitgerecht, den Bürgern zu befehlen, "dass sie ihre Klinik aufsaugen sollen". Nach Aussage von Prof. Brettschneider wissen wir, was die Umsetzung des Kommunikationskonzeptes kosten wird: Ein Prozent der Investitionssumme von 450 Millionen Euro. Also 4,5 Millionen Euro. Der Bürger wird also wie 1525 mit den von ihm bezahlten Steuern bekämpft. Dieser leichtfertige Umgang mit unseren Steuergeldern muss gestoppt werden.

Die Forderung nach gelebter Demokratie ist der Schlüssel für den notwendigen Befreiungsschlag aus dieser Situation. Es wird unumgänglich sein, die Bürger in diesem Entscheidungsprozess mit einzubinden. Die Forderung einer Bürgerbefragung mit anschließendem Bürgerbegehren bleibt bestehen. Die Alternative zu einer Großklinik auf dem Flugfeld bleibt das "Gesundheitszentrum Böblingen und Sindelfingen" mit dem Erhalt und Ausbau der bestehenden Krankenhäuser einschließlich der Schwesternwohnheime. Um weitere sachliche Fakten auszutauschen, haben die Gesprächspartner ein zweites Gespräch im Landratsamt vereinbart.

Peter Brozio, Maichingen