Kommentar: Oh Valentin...

Kommentar

Artikel vom 14. Februar 2020 - 06:00

Von Melissa Schaich

Kaum ist Weihnachten vorbei, steht auch schon das nächste Geschenke-Horror-Szenario vor der Tür: Der Valentinstag. Der Tag, an dem die große Liebe so richtig schön kommerzialisiert wird. Aber Entwarnung: Hier kommt jetzt nicht der allseits bekannte Kommentar, der über den furchtbaren Kapitalismus wettert, der sich nun auch noch die ewige Liebe einverleibt hat. Nein. Vielmehr soll es hier um die gesellschaftliche Ungerechtigkeit gehen, mit der dieser Tag begangen wird: Während Männer an diesem Tag augenrollend in die Gärtnerei eilen oder mit Schokolade überzogene Erdbeeren kaufen, erwartet so manch eine Frau gespannt ihr Geschenk, ohne denselben Druck zu verspüren, ihre Zuneigung in Form eines romantischen Präsents zu überreichen. Es ist ganz klar: Der Geschenke-Druck liegt in vielen Beziehungen beim Mann, der an diesem speziellen Tag zum Sonderbeauftragten für Romantik befördert wird.

Das alt-bekannte Muster des aktiven Mannes (Geschenke-Sucher) und der passiven Frau (Geschenke-Erwartende) geht hier in die einmillionste Runde. Einige Menschen legen dabei eine ziemlich haarsträubende Argumentation vor. Die geht so: Während die Frau das ganze Jahr über ackert und zumeist unbezahlte Arbeit zwischen Wickeltisch und Herd leistet und dabei das Gefühl hat, dass ihr Einsatz nicht anerkannt wird (was er meistens auch tatsächlich nicht wird), sollte der Mann wenigstens am Valentinstag zeigen, dass er sie doch eigentlich mag und schätzt.

Es ist also in vielen Beziehungen kein Tag, an dem gleichgestellte Lebenspartner ihre gemeinsame Liebe feiern, sondern zumeist ein Tag, an dem Frauen mit erhöhtem Frustrationsniveau von ihren Ehemännern eine schokoladige Wiedergutmachung verlangen. Hier wird mal wieder deutlich, wer in traditionellen Geschlechterverhältnissen die finanzielle Macht besitzt (Männer) und wer davon abhängig ist, ob, wieviel und was gegeben wird (Frauen).

Statt dass sich Männer und Frauen das ganze Jahr über darum bemühen, ihre Beziehung fairer und ausgewogener zu gestalten, wird lieber die Hoffnung auf einen Strauß von roten Rosen gesetzt, der bereits nach einer Woche nach Kompost riecht und alle Blätter von sich schmeißt. Alle Menschen sollten ihre Liebe und Beziehung so feiern können, wie sie wollen. Allerdings sollten in diesem Zuge einseitige Erwartungshaltungen hinterfragt und deren Ursprung thematisiert werden. Nur so können Ungerechtigkeiten abgearbeitet und Veränderungen angestoßen werden.

► Hier geht es zum Hauptartikel von Victoria Walter

 

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