Umdenken

Kommentar

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    Die Autoren des Klimafolgen- Anpassungskonzepts, Christoph Hemberger und Martin Wuttke (v.l.), präsentieren in Waldenbuch Karten, die auch für andere Kreiskommunen erarbeitet werden. Foto: Martin Müller

Artikel vom 05. September 2019 - 20:00

Von Martin Müller

Klimafolgen-Anpassungskonzept. Das liest sich schwer und bürokratisch. Und ein solches Konzept hinkt - naturgemäß - auch erst einmal hinterher. Es gilt auszubügeln, was sich nicht mehr vermeiden lässt. Zugleich geht es aber auch darum, die städtebauliche Weiterentwicklung nach ganz neuen Koordinaten auszurichten. An einer Stelle im Vortrag des Regionalentwicklers Hemberger konnte man deshalb besonders hellhörig werden. Hat die Region die Kommunen zuletzt ermuntert, in Anbetracht des hohen Wohnungsdrucks auch ihre letzten Reserven in den Flächennutzungsplänen anzugreifen, so könnten die Stellschrauben nun wieder verschoben werden. Denn es passt nicht zusammen, sich einerseits Sorgen zu machen über die zunehmende Gefahr von Überschwemmungen und andererseits immer mehr Böden zu versiegeln und hemmungslos Neubaugebiete aus dem Boden zu stampfen. Mit dem Pilotprojekt könnten nun neue Tabuflächen für eine Bebauung identifiziert werden. Aus Gründen des Klimaschutzes wird aus Teilen des Bauerwartungslandes unantastbares Land. Es wird auch allerhöchste Zeit, in diese Richtung umzudenken. Wenn man den Klimawandel nicht leugnet, wie dies die AfD tut, dann macht er, ganz im Ernst genommen, ein Umdenken erforderlich, das nur als radikal bezeichnet werden kann: weil dies all unsere Selbstverständlichkeiten und Selbstgefälligkeiten infrage stellt. Die Fridays-for-future-Demonstrationen haben eigentlich ja nichts anderes zum Inhalt als die Erkenntnis, dass es im Interesse unserer Kinder und Kindeskinder endlich, endlich an die Substanz unserer Bequemlichkeiten gehen muss.