In Bebenhausen ist Geschichte nun für alle erlebbar

Ab sofort gibt es im Kloster und Schloss Bebenhausen barrierefreie Führungen

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    Nach den Räumen des Klausurbereichs ist ab sofort einmal im Monat auch die Kirche mithilfe mobiler Rampen barrierefrei zugänglich Foto: red

Artikel vom 03. Mai 2019 - 16:42

BEBENHAUSEN (red). Im Kloster und Schloss Bebenhausen gibt es ab sofort an jedem vierten Sonntag im Monat barrierefreie Rundgänge für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Schon seit Jahren arbeiten die Mitarbeiter daran, den historischen Ort leichter zugänglich zu machen. Nun haben die "Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg" die neue Führung "Kloster ohne Stufen" entwickelt, bei der die Besucher bei einem Spaziergang in gemütlichem Tempo durch den Kreuzgang und über Rampen in die angrenzenden Räume geführt werden. Am Ende steht die Besichtigung der Kirche. "Die Veränderungen, die wir in Bebenhausen sehen, sind wirklich beispielhaft", meint Willi Rudolph, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Tübingen.

Bei der Premiere führte Maik-Sören Hanicz von der Schlossverwaltung durch das Kloster. Janna Almeida, die Leiterin der Schlossverwaltung, begleitete die Gruppe, ebenso Willi Rudolf, Bebenhausens Ortsvorsteher Hansjörg Kurz sowie ein Vertreter des Naturparks Schönbuch. Janna Almeida stellte bei dieser Gelegenheit auch einen neuen Übersichtsplan vor. Im Format A3 gibt er Orientierung auf dem gesamten Gelände. Er zeigt alle Gebäude in dreidimensionalen Zeichnungen und gibt Information über die historischen Nebengebäude des Klosters und erhaltene Gebäude im Dorf. "Die Dreidimensionalität macht es für Laien einfacher, die einzelnen Bauwerke zu erkennen, als es ein Grundriss könnte", erklärt Janna Almeida. "Wir können endlich mehr zeigen, als wir es in den 45 Minuten einer Führung schaffen. Wer noch Lust und Zeit hat, kann mit dem Plan einen historischen Spaziergang über das Gelände und durch das Dorf machen und auf eigene Faust den ehemaligen Klosterweiher, die Klostermühle, die Klostermauer, Pförtnerhäuschen und andere erhaltene Gebäude entdecken." Auch der barrierearme Spazierweg durch den Naturpark ist auf dem Plan eingezeichnet. Die Pläne sind kostenlos an der Kasse erhältlich.

"Denkmalschutz und Barrierefreiheit waren jahrelang ein Streitthema. Bebenhausen zeigt, dass, wenn der Wille da ist und man etwas Fantasie hat, viel möglich ist", sagt Willi Rudolph. Seit 2017 hat das Land in mehreren Bereichen an der Barrierefreiheit gearbeitet. So wurden beispielsweise im unebenen Pflasterbelag 1,20 Meter breite Wegspuren extra für Rollstühle angelegt. Zudem entstand ein neuer Behindertenparkplatz, eine barrierefreie Toilette und auch der Eingang wurde barrierefrei umgebaut. Außerdem sind die meisten Räume des Klausurbereichs über Rampen erreichbar.

Daran schließt nun auch die neue Führung an, die das Museum im Führungsbetrieb ebenfalls barrierefrei gestalten möchte. Durch mobile Rampen wird dabei auch die Kirche zugänglich. Die "Staatlichen Schlösser und Gärten" realisierten dieses Projekt mit der Gemeinde Bebenhausen, dem Naturpark Schönbuch und dem Kreisbehindertenbeauftragten. "Natürlich gibt es immer Potenzial für Verbesserung in Sachen Barrierefreiheit, doch die Führung in Bebenhausen hat alle Erwartungen erfüllt", resümiert Willi Rudolph.

Schnelle und unbürokratische Zusammenarbeit

Die Baumaßnahmen im Kloster wurden vom Amt für Vermögen und Bau in Tübingen umgesetzt. "Wir hatten einiges aufzuholen und die Aufgabe war knifflig. Jede Tür hat ein anderes Maß, das Gelände ist uneben mit zahlreichen Schwellen und Stufen. Jede Rampe ist eine Maßanfertigung. Aber wir haben es geschafft. Die Teilhabe aller ist uns ein großes Anliegen" so Amtsleiter Andreas Hölting. Auch die Stadt und der Naturpark stiegen in das Projekt mit ein und ebneten den städtischen Weg vor dem Klostertor ein, richteten einen weiteren Behindertenparkplatz ein, entwickelten einen barrierearmen Spazierweg vom Kloster in den Naturpark und gestalteten ein speziell auf die besonderen Bedürfnisse zugeschnittenes Programm im Naturpark. "Es war unglaublich, wie schnell, unbürokratisch und gut alle zusammengearbeitet haben", freut sich Willi Rudolph über die Ergebnisse.

 

  Die barrierefreien Führungen finden immer am vierten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr statt, der Eintritt kostet 7 (ermäßigt 3,50 Euro). Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine telefonische Anmeldung unter (0 70 71) 60 28 02 unbedingt notwendig.
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