Handeln!

Kommentar

Artikel vom 04. März 2019 - 15:48

Von Martin Müller

Der Naturpark Schönbuch prescht vor. Und das ist gut so. Gleichwohl: Auf Goodwill alleine zu setzen, genügt nicht. Solche Aktionen müssen flankiert werden von einer Politik nicht nur des Willens, sondern auch der klaren Vorschriften, unsere Umwelt in einem noch viel größeren Maß zu schützen als wir das bisher gewohnt sind oder auch nur angedacht haben.

Das Insekternsterben hat Ursachen, die klar benannt werden können. Erstens: Das Offenland wird immer weniger. Zweitens: das übrig gebliebene Offenland ist durch intensive Landwirtschaft als Lebensraum für Tiere und Ackerwildkräuter vielerorts nahezu wertlos geworden. Deshalb drängen sich zwei klare Handlungsfelder auf, in denen die Politiker gefordert sind und an deren Beackerung sie sich messen lassen müssen - im Bund, im Land, im Kreis und in den Kommunen.

Erstens: Das Offenland muss vor weiterer Bebauung geschützt werden. Ein Thema, das geradezu beispielhaft auf der Schönbuchlichtung ankommen muss. Zählen wir einmal zusammen, was alleine in Hildrizhausen, Altdorf, Holzgerlingen und Weil im Schönbuch mit Neuweiler in den kommenden Jahren mit Wohn- und Gewerbeflächen auf der grünen Wiese überbaut werden soll, dann kommen wir auf 11+9+7+20,5 = satte 47 Hektar, fast 50 Fußballfelder. Es kann aber doch nicht wahr sein, dass immer neue unversiegelte Böden in Bauerwartungsland umdefiniert werden. Wo also liegt der Schlüssel zur Änderung in einer Wachstumsregion, die durch enormen Wohnungsdruck besticht? Darin, dass die Stadtplanung endlich in die Höhe geht! Warum nicht auch hier bei uns auf der Schönbuchlichtung Mehrgeschosswohnungsbauten über Aldi, Lidl, Rewe, Penny und Co. zum Beispiel in Angriff nehmen? Eine Vielzahl an Wohneinheiten ließe sich auf diese Weise realisieren, ohne dass großflächig versiegelt oder neue Straßen gebaut werden müssten.

Zweitens: Das verbliebene Offenland muss viel strukturreicher gestaltet werden, über weite Strecken gleicht es einer landwirtschaftlichen Einöde. Durch Ackerrandstreifen, Steinriegel, Tümpel und von der Bewirtschaftung ausgenommene Blühflächen können neue Lebensräume für Insekten geschaffen werden. Von der Politik noch viel mehr in die Pflicht genommen werden müssen dabei die Landwirte beim Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Der Allround-Killer Glyphosat gehört politisch geächtet und verboten - wenn es auf EU-Ebene nicht klappt, dann eben auf Landesebene. Und immer noch gibt es in Baden-Württemberg keine klaren Aussagen darüber, wie viele und welche Pflanzenschutzmittel und Insekten vernichtende Pestizide eingesetzt werden. Das Maß muss hier auf ein absolutes Minimum gedrückt werden. Selbstverständlich müssen Bauern dafür entschädigt werden, wenn sie die Bewirtschaftung von weiteren Teilen ihrer Äcker zugunsten von Blühstreifen zurückstellen. Hier müssen Anreize und neue Förderungen für eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft geschaffen werden. Eine andere Wahl bleibt nicht: Denn wer soll eines Tages die Feldfrüchte bestäuben, wenn keine Insekten mehr da sind, die diese Arbeit verrichten könnten?

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