Ungutes Gefühl

Kommentar

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    In Hildrizhausen wird an der Ecke Tübinger Straße/Länderstraße mit einer alten Baulücke aufgeräumt – Das Refugium für Tiere muss weichen Foto: Martin Müller

Artikel vom 13. Februar 2019 - 07:00

Von Martin Müller

Die Würfel sind längst gefallen - dass jetzt Vollzug vermeldet und für nächste Woche der Beginn der Baumfällungen angekündigt wird, ist also nur der Weisheit letzter Schluss. Wieder eine Baulücke geschlossen, wieder ein Stück Nachverdichtung gelungen. Das ist die eine Lesart, die dem hohen Wohnungsdruck in der Region und den teuren Baulandpreisen Rechnung trägt.

Und dennoch überkommt einen ein ungutes Gefühl, dass gerade dieses große Waldstück, das ein Park schon war noch ehe 1954 hier die ersten Häuser hochgezogen wurden, nun endgültig weichen soll. Es handelt sich um einen echten Mischwald mit Bäumen, die zahlreichen Vögeln und Insekten ein wertvoller Lebensraum geworden sind - ein Rückzugsgebiet in unserer sonst so ausgeräumten Landschaft. Und zugleich lesen wir in der Tageszeitung, dass die Insekten, wenn wir so weitermachen, in 100 Jahren ausgestorben sind.

Um das festzuhalten: Baurechtlich steht dem Vorhaben überhaupt nichts im Wege, auch artenschutzrechtlich wurde genau hingeguckt. Dennoch wollen wir an dieser Stelle einmal ein völlig abwegiges Gedankenspiel vortragen, das, rein wirtschaftlich betrachtet, nur als blanker Unfug abgeschmettert werden kann: Wie wäre es gewesen, wenn die Gemeinde einen Flächentausch angeboten hätte? Man hätte ein Stückle Ackerflur als Bauland hergegeben, und dadurch das Waldrefugium retten können - ohne was daran zu verdienen.

Ein Bürgermeister, der so etwas tut, würde mit Sicherheit geteert und gefedert aus dem Dorf getragen. Aber vielleicht müssen wir uns einüben im Umdenken? Mit dem Gedanken vertraut machen, dass wir unsere Schwerpunkte künftig ganz anders setzen lernen müssen. Und dass ein Stück übrig gebliebene Natur inzwischen einen unschätzbaren Wert darstellen kann - der sich nicht einmal beziffern lässt.

► Zum kompletten Bericht zu den Rodungsarbeiten geht's hier.

 

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