Per Anhalter durch die Gemeinde

Mitfahrbänke in Gärtringen und Rohrau ergänzen den Öffentlichen Personennahverkehr

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    Nicht bestellt, aber abgeholt: Rohraus Ortsvorsteher Torsten Widmann (l.) und Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch sitzen schon einmal Probe auf dem Mitfahrbänkle Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Zwei neue Bänkle, eines in Rohrau und eines in Gärtringen, sollen Pendlern zwischen den Ortsteilen künftig das Leben erleichtern. Dann nämlich, wenn sie außerhalb der Fahrtzeiten der Buslinie 753 von A nach B fahren möchten.

Artikel vom 22. Dezember 2018 - 16:00

Von Sandra Schumacher

GÄRTRINGEN/ROHRAU. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Gärtringen und Rohrau pendeln möchte, muss mitunter ziemlich lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Denn dort verkehrt lediglich die Buslinie 753. Morgens zu Schulzeiten klappt das dank des Halbstunden-Taktes noch ganz gut, aber gerade in der Mittagszeit müssen Fahrgäste, wenn sie Pech haben, bis zu eineinhalb Stunden warten. Vor allem bei winterlichen Temperaturen kann das schon mal unangenehm werden. Und ab 19 Uhr fährt nur noch das kommunale Ruftaxi.

Eine zusätzliche, unkomplizierte Möglichkeit, auch außerhalb der Bus-Fahrtzeiten schnell von A nach B zu kommen, bieten nun die so genannten Mitfahrbänke. Wer darauf Platz nimmt, signalisiert Autofahrern, dass er gerne mitgenommen werden möchte. Die Prototypen hat Bauhofleiter Christof Klingler in Gärtringen am Kreisverkehr an der Rohrauer Straße in Fahrtrichtung Rohrau und vor der Rohrauer Metzgerei Weiß in Fahrtrichtung Gärtringen aufgestellt. Ebenso ein Schild, auf dem ein kleines, rotes Auto den typischen Anhalter-Daumen zeigt.

Die Idee zu diesem niederschwelligen Zusatzangebot zum ÖPNV entstand im Rahmen des Mobilitätsplans. Vorangetrieben hat es Rohraus Ortsvorsteher Torsten Widmann. "Sowohl in Gärtringen als auch in Rohrau ist der nachbarschaftliche Zusammenhalt groß. Daher gehe ich davon aus, dass das Angebot - zumindest ab dem Frühjahr, wenn die Temperaturen wieder steigen - stark genutzt wird. Man kennt sich ja untereinander", sagt er und hofft darauf, dass sich in Zukunft vielleicht sogar eine private Mitfahrbörse bildet. Beispielsweise in Form einer Facebook- oder Whatsapp-Gruppe, innerhalb derer sich die Rohrauer zum gemeinsamen Fahren verabreden. Auf eine ähnliche Entwicklung hofft auch Bürgermeister Thomas Riesch für die Gegenrichtung, "denn es gibt ja auch Gärtringer, die nach Rohrau fahren möchten".

In Rohrau jedenfalls sollen - neben einer Überdachung für das bereits vorhandene Exemplar - langfristig weitere Bänke aufgestellt werden. Beispielsweise am Rathaus. "So sollen auch Menschen, die im Ortskern wohnen und nicht mehr so mobil sind, vom Angebot profitieren", erklärt Widmann.

Verkehrskonzepte sollen ineinander greifen

Auch die Gärtringer Verwaltung will die Frequenz, mit der das Angebot genutzt wird, im Auge behalten und gegebenenfalls in weitere Mitfahrbänke investieren. "Beim ÖPNV gibt es häufig ein Problem mit der letzten Meile. Damit ist beispielsweise der Weg von der S-Bahn bis vor die Haustür gemeint. Hier sind kreative Lösungen gefragt und Verkehrskonzepte, die ineinander greifen", so Riesch. Die Rückmeldungen, die Bürgermeister und Ortsvorsteher aus der Bevölkerung bekommen haben, seien durchweg positiv gewesen. "Es ist eine unkomplizierte Möglichkeit, mit der auch schon andere Kommunen gute Erfahrungen gemacht haben", hat Widmann bereits im Vorfeld recherchiert.

Da für die Gemeinde, abgesehen von den Anschaffungskosten von jeweils rund 2000 Euro, keinerlei Kosten entstehen, fallen auch für die Nutzer keine Gebühren an. Ein wichtiger Punkt, erläutert Widmann. Denn auf diese Weise entstehen auch keine Irritationen in Sachen Versicherung. "Hier verhält es sich nicht anders, als wenn man privat einen Fahrgast mitnimmt. Im Falle eines Unfalls haftet die normale Haftpflicht."

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