Schmerzlich vermisst

Kommentar

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    Die weltweit erfolgreiche britische Band Imagination in den 80er Jahren bei einem Auftritt im "12 Inch": keineswegs "Just an Illusion" Foto: red

Artikel vom 13. November 2018 - 18:42

Von Dirk Hamann

Böblingen trug einst nicht nur den Stempel "Einkaufsstadt", sondern war bis in die 1990er Jahre hinein ein Magnet für Nachtschwärmer in der Region. Die Stadt bot eine breit gefächerte Gastronomiewelt. Und wer Discoluft schnuppern wollte, war vor allem im "12 Inch" bestens aufgehoben. Sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene hatte das Böblinger Nachtleben einiges zu bieten. Hatte.

Seit Jahren gibt es in der Kreisstadt für Jüngere kaum noch Angebote zum Ausgehen. Kaum ein Jugendlokal, keine Disco. Die Heranwachsenden aus Böblingen und Umgebung zieht es deshalb vor allem nach Stuttgart. Mit der S-Bahn raus aus der Provinz. Dort, wo das Nachtleben pulsiert, tauchen sie in irgendeinem Club in die Großstadt-Masse ein. Verloren geht dabei ein Stück weit das vertraute Miteinander in heimischer Umgebung. Das gemeinsame Nachtschwärmer-Erlebnis mit bekannten Gesichtern aus der Nachbarschaft. Und schlussendlich eine ordentliche Portion Ortsverbundenheit. Denn wenn sich die heutige junge Generation aus der hiesigen Umgebung irgendwann mal trifft, um über die wilde Jugendzeit zu schwelgen, dürfte sie kaum noch über Geschichten reden, die sich in Böblingen abgespielt haben. Dass diese Erinnerungen tiefe Wurzeln schlagen und wertvoll sind, zeigt die "12 Inch-Revival-Party" in Holzgerlingen, wo ältere Semester Jahr für Jahr ein großes Wiedersehen feiern. Und sich einig sind, wenn sie dabei an ihren eigenen Nachwuchs denken: Eine Disco wie das "12 Inch" damals in Böblingen wird schmerzlich vermisst.