Anzeige

Oberjettinger Bäcker als Deutsche Meister ausgezeichnet

Nicole und Patrick Mittmann von der Oberjettinger Bäckerei Wörner werden auf der "iba München" als Deutsche Meister ausgezeichnet

  • img
    Nicole und Patrick Mittmann bei der Pokalübergabe: Die beiden Deutschen Meister der Oberjettinger Bäckerei Wörner sind als Titelträger 2018 gleichzeitig neue Mitglieder in der Deutschen Bäcker-Nationalmannschaft geworden Foto: red

Die arbeitsreiche und intensive Vorbereitungszeit hat sich für Nicole Mittmann und ihren Cousin Patrick gelohnt: Seit Mitte September dürfen sich die beiden, die in der Oberjettinger Familienbäckerei Wörner arbeiten, "Deutsche Meister der Bäckermeister" nennen.

Artikel vom 02. November 2018 - 11:00

JETTINGEN (kru/red). Errungen haben die beiden talentierten Nachwuchsbäcker, die aus Sulz am Eck stammen, den alle drei Jahre vergebenen Titel auf der Internationalen Bäckereiausstellung "iba", der führenden Weltmesse des Bäcker- und Konditorhandwerks in München. Gemeinsam mit ihren Wettbewerbern Markus Steinleitner und Gerd Distler (aus Straubing und Schwabach), Katharina Regele und Florian Siegel (aus Abtsgmünd-Laubach und Oftersheim) sowie Thomas Schmitt und Sebastian Bücklmaier aus München stellten sie ihr Können in unterschiedlichen Bereichen unter Beweis. Qualifiziert hatten sich die vier Duos bei den regionalen Vorentscheiden, die im Juli an den Fachschulen der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Stuttgart, Dresden und Olpe stattfanden. Sowohl dort als auch in Finale stand der Wettbewerb unter dem Motto "Europa".

Jury: "Höchstes Niveau über alle Produktgruppen hinweg"

Mit drei Brotsorten, verschiedenem Kleingebäck und Plunder sollten Vielseitigkeit und Variantenreichtum der eigenen Handwerkskunst unter Beweis gestellt werden. Nicole und Patrick Mittmann konnten dabei punkten mit Erlesenheiten wie Dinkel-Emmer- und Sechskornbroten, "Mohnkörble", Marzipan-Kirsch-Schnecken, kleinen Butterkuchen, mit aus fünf und sechs Strängen geflochtenen Hefezöpfen, Beerentalern, Schoko-Orangen-Taschen, Zwiebel-Käse-Baguette, Focaccini mit Bärlauch und Kräuter mit Oliven sowie Laugenbrezeln und -weckle. Außerdem war ein Schaustück gefragt, bei dem das Erscheinungsbild im Vordergrund stand.

Sieben Stunden hatten der 23-jährige Patrick Mittmann und seine ein Jahr jüngere Cousine Nicole Zeit, um diese vielfältigen Produkte herzustellen. Bereits am Vorabend des Wettbewerbs gab es eine Stunde Zeit, um Sirup und Vorteige auf den Weg zu bringen. Nach dem eigentlichen Wettbacken blieb den beiden zudem eine halbe Stunde, um ihre gebackenen Köstlichkeiten und ihr filigranes Kunstwerk optisch ansprechend auf dem Präsentationstisch aufzubauen: "Das war fast stressiger als die sieben Stunden davor", berichteten Patrick und Nicole Mittmann. Immerhin habe die Jury das Schaustück bereits in der Backstube bewertet, so dass die Furcht vor möglichen Schäden beim Transport nicht mehr so groß gewesen sei.

Wobei auch das Backen unter ständiger Beobachtung, unter anderem durch ein Fernsehteam, eine ungewohnte Situation gewesen sei. "Es war eine super Erfahrung, hat riesig Spaß gemacht und uns weitergebracht", sind sich die beiden einig, die ihren Gewinn erst einige Tage nach dem Sieg so richtig realisiert haben.

Insgesamt nahmen die Juroren - allesamt Mitglieder der Deutschen Bäcker-Nationalmannschaft, unter ihnen auch der Herrenberger Jochen Baier, Weltbäcker des Jahres - neben Kreativität, Vielfalt und dem optischen Eindruck auch Hygiene und Arbeitsweise genau unter die Lupe - und testeten natürlich auch den Geschmack. "Es war wirklich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. Alle Teams haben fantastische Arbeiten abgeliefert. Letztlich überzeugte die Jury jedoch die kontinuierliche Leistung auf höchstem Niveau und das über alle Produktgruppen hinweg", begründete Wolfgang Schäfer, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, das Ergebnis. Als Chef der Bäcker-Nationalmannschaft nahm er gleich Nicole und Patrick Mittmann als neue Teammitglieder auf.

Blindes Verständnis sorgt für reibungslosen Ablauf

Dass in der Backstube bei den beiden alles so reibungslos verläuft, liegt unter anderem daran, dass sie sich aus der gemeinsamen Arbeit quasi blind verstehen und um die jeweiligen Stärken und Schwächen wissen: "Ich bin fürs Grobe zuständig und Nici fürs Feine", erklärt Patrick Mittmann die eingespielte Arbeitsteilung. "Während er sich um die Brotteige gekümmert hat, habe ich mit dem Ausstechen der ersten Teile fürs Schaustück begonnen", machte Nicole Mittmann den Workflow an einem Beispiel deutlich. Dass das so ist, verwundert nicht, wenn man weiß, dass die beiden der Oberjettinger Traditionsbäckerei, die Holger Wörner und seine Frau Andrea bereits in der siebten Generation führen, seit dem ersten Praktikum treu geblieben sind.

Auch während des sechsmonatigen Meisterkurses, den die beiden gemeinsam im ersten Halbjahr dieses Jahres erfolgreich absolvierten, unterstützten sie das heimischen Bäckereiteam samstags in der Backstube. In der waren die beiden auch in der letzten, heißen Vorbereitungsphase viele Stunden beschäftigt, wenn es nachmittags nach der normalen Arbeitszeit noch darum ging, Abläufe und Timing für das Wettbacken zu perfektionieren. "Nur im Team kann man so etwas stemmen", freut sich Andrea Wörner über den Erfolg. Sie ist dabei nicht nur stolz auf die Gemeinschaftsleistung "ihrer" beiden Deutschen Meister. "Alle Mitglieder der Betriebsfamilie haben ihren Anteil dazu beigetragen", betont sie.