Anzeige

Schwerer Diebstahl: Drei Jahre Haft für 28-Jährigen

Stuttgarter Landgericht verurteilt Sindelfinger, der es auf Zigarettenautomaten abgesehen hatte - Versuchter Mord nicht nachweisbar

Artikel vom 19. Oktober 2018 - 16:00

Von Bernd S. Winckler

GÄUFELDEN. Der 28-Jährige, der sich nach einem Zigarettenautomat-Diebstahl zu mitternächtlicher Stunde zwischen Gäufelden-Nebringen und Mötzingen in der Nacht zum 26. Februar mit der Polizei eine Verfolgungsjagd geliefert hat (die KRZ berichtete), muss drei Jahre ins Gefängnis. Dass er bei einer polizeilichen Straßensperre in Mötzingen mit seinem Auto absichtlich auf eine Polizistin zuraste, war ihm vom Stuttgarter Landgericht indes nicht nahzuweisen. Der dem 28-Jährigen vorgeworfene Mordversuch fiel daher weg.

Die Anklage gegen den 28-Jährigen lautete zu Beginn seines Prozesses vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts noch auf ein Verbrechen des versuchten Mordes. Der Staatsanwalt hatte argumentiert, dass der Beschuldigte in der Tatnacht anlässlich der polizeilichen Verfolgung bei einer Straßensperre in Mötzingen in Tötungsbilligung direkt auf eine Polizeibeamtin zufuhr, die sie ihm zwischen einem Streifenwagen und einem Bauzaun in den Weg gestellt hatte. Doch die Richter ließen diesen schweren Vorwurf fallen, weil rechtlich nicht klar ist, ob der Angeklagte die Polizeibeamtin in der nächtlichen Dunkelheit überhaupt wahrgenommen hatte. Das zumindest behauptete er. Das sei ihm nicht zu widerlegen, sagte der Vorsitzende Richter im Urteil. Zudem sei der Vorfall heute nicht mehr rekonstruierbar, wobei aber nicht zu verkennen sei, dass die Polizeibeamtin großes Glück hatte. Sie war im letzten Augenblick zur Seite gesprungen, als der 28-Jährige mit seinem Fahrzeug durch eine Lücke zwischen Streifenwagen und einem Bauzaun raste.

Geblieben ist jedoch ein besonders schwerer Diebstahl, verbunden mit Fahren ohne Fahrerlaubnis, denn einen Führerschein besitzt der 28-Jährige nicht. Vor der polizeilichen Verfolgung hatte er zusammen mit einem Mittäter in Nebringen einen Zigarettenautomat von der Wand abgehebelt, wie es im Urteil heißt. Die beiden Diebe waren mit der Beute danach im Auto des jetzt Verurteilten in ein nahes Waldstück gefahren und öffneten das Gerät mit einem Trennschleifer. Die Beute, Zigaretten und Bargeld (3500 Euro) teilten sie sich. Doch die Polizei zufällig den Diebstahl bemerkt und die Verfolgung des Tatfahrzeugs aufgenommen.

Es war laut Gericht nicht der erste Diebstahl des Angeklagten. Schon öfters hatte er Automaten gestohlen und dabei auch Freunde als Komplizen eingesetzt. Mit Brecheisen riss er die Automaten jeweils von der Wand. Neben den verhängten drei Jahre Freiheitsstrafe ordnete das Stuttgarter Gericht noch die endgültige Einziehung seines Audi-Pkw an. Gleichzeitig sprach die Strafkammer ein dreijähriges Verbot zur Erlangung eines Führerscheins aus.

Verwandte Artikel