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Moderne Sklaverei

Kommentar

Artikel vom 14. Juni 2018 - 10:30

Von Sandra Schumacher

Die Welt ist ungerecht. Und wir alle wissen das. Während die Menschen in der westlichen Hemisphäre von schicken Eigenheimen, komfortablen Autos und größeren Fernsehern träumen, stieg laut Angaben der Welthungerhilfe im Jahr 2017 die Anzahl der hungernden Menschen weltweit von 777 (2016) auf 815 Millionen. Dass der Luxus, in dem wir leben, auf der Ausbeutung der Menschen in den so genannten Dritte-Welt-Ländern fußt, ist kein Geheimnis und stellt nichts anderes dar als eine Form moderner Sklaverei.

Dabei sind die meisten von uns weder böswillig noch skrupellos. Vielmehr scheint das Ausmaß des Problems den Einzelnen in gewisser Weise hilflos werden zu lassen und schlichtweg zu überfordern. Was kann ich schon allein gegen den Hunger auf der Welt ausrichten?

Die Antwort liefern Projekte wie die der Bananologen in Herrenberg: Allein der Griff zur fair gehandelten Banane anstelle des nur wenig günstigeren Massenprodukts trägt dazu bei, dass die Arbeiter auf den Plantagen einen gerechten Lohn für ihre Arbeit erhalten und somit sich und ihre Familien ernähren können.

Leider geht ein solches Bewusstsein im Alltag aber häufig verloren. Das hängt mitunter damit zusammen, dass das Leid der Menschen auf der anderen Seite der Welt einfach zu weit entfernt scheint, als dass wir es ständig vor Augen haben. Auch hier schafft das Herrenberger Fairtrade-Projekt Abhilfe, indem es schon Grundschülern in Rollenspielen zeigt, wie das Leben ihrer Altersgenossen unter den für uns unvorstellbaren Bedingungen aussieht. Wenn sie wissen, wie sich die mühsame Arbeit in Schutzmontur gegen Pflanzenschutzmittel und Medikamente anfühlt, bleibt der Eindruck im Gedächtnis und der Griff zum fair gehandelten Obst wird von klein auf zur Selbstverständlichkeit.

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