Ein Kilo Plastik ergibt eine Polio-Impfung

Mit dem Erlös aus der Plastikdeckel-Sammlung unterstützt der Hausfrauenbund den Kampf gegen die Kinderlähmung

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Der Ortsverband Schönbuchlichtung des Deutschen Hausfrauenbunds sammelt nach wie vor Plastikdeckel der Kunststoffgruppen Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP). Mit dem Erlös soll ein Beitrag geleistet werden, die Kinderlähmung weltweit auszurotten.

Artikel vom 12. April 2018 - 18:06

Von Martin Müller

HILDRIZHAUSEN/KREIS BÖBLINGEN. "Ein Kilogramm gesammelte Deckel entspricht dem Wert einer Spritze für die Polio-Impfung", sagt Marie-Luise Schmit, die Öffentlichkeitsarbeiterin im Vorstand des Hausfrauenbundes vom Ortsverband Schönbuchlichtung aus Hildrizhausen: "Die große Hoffnung besteht, Polio in diesem Jahr oder spätestens 2019 völlig ausgerottet zu haben. Bis dahin heißt es aber weiter: fleißig Deckel sammeln."

In elf Monaten, von Ende April bis März 2018, haben die eifrigen Hausfrauen vom Ortsverband Schönbuchlichtung knapp 90 Kilogramm an solchen Verschlussdeckeln eingesammelt. "Dabei wiegt ein einzelner Deckel nicht mehr als 2 Gramm", so Marie-Luise Schmit. Im Herbst wurden knapp 50 Kilogramm zur Wiederverwertungsgesellschaft nach Wendlingen gebracht, im März dieses Jahr dann nochmal 38 Kilo. Dieses Mal reichte die Fahrt nach Nürtingen aus, weil die Jugendorganisation des Rotarierclubs, Rotaract, alles weitere in die Hände genommen und in die Wege geleitet hat. Pro Tonne können - je nach Sortenreinheit, Verschmutzgsgrad und Marktlage zwischen 50 und 500 Euro erzielt werden, berichtet die Hausemerin. Und weil die Nürtinger Rotar-acts eine Möglichkeit haben, die Deckel zu lagern, können sie mit dem Wiederverwertungserlös so lange zuwarten, bis der Marktpreis wieder hoch fliegt.

Wer mitsammeln will und seine gesammelten Werke dann bei einer der Abgabestellen loswerden will, muss Einiges beachten. Unerfahrenen empfiehlt Marie-Luise Schmit, bei den ersten Deckeln zu einer Lupe zu greifen. Inwändig sind die begehrten und wertvollen Verschlusskappen nämlich mit einem Dreieck markiert, das die Sorte des Kunststoffs angibt. Die Zahlen "02" oder "05" müssen im Dreieck stehen. Polyethylen wird durch die "02" und die zugehörigen Buchstaben "HDPE" oder "PEHD" gekennzeichnet, Polypropylen durch die "05" und das Kürzel "PP" kenntlich gemacht.

Deckel dieser Kunststofftypen finden sich beispielsweise auf Getränkeflaschen und Tetrapacks, auf Shampoos, Waschmitteln oder auf Zahnpastatuben. Alltägliche Gegenstände also, die früher oder später ihren Weg auf die Mülldeponie finden. Es ist jedoch ein Leichtes, die Verschlüsse abzutrennen und statt in den Mülleimer in einen Sammelbehälter zu werfen. Dabei tangiert der fehlende Verschlussdeckel keineswegs die Rückgabe von Pfandflaschen, so die Organisatorin Marie-Luise Schmit. Entscheidend für deren Rücknahme ist neben dem PET-Zeichen lediglich der Barcode an der Flasche.

Die Sammelaktion des Ortsverbands Schönbuchlichtung geht ungebrochen weiter. "Inzwischen haben wir Abgabestellen in allen unseren Schönbuchkommunen eingerichtet", freut sich Marie-Luise Schmit. Wobei sie nochmals betont, dass der Preis, den man mit dem Verkauf erzielen kann, umso höher liegt, je reiner und sauberer die gesammelten Deckel sind.

Abgabestellen sind in Altdorf Familie Kappler in der Rosenstraße 3, in Hildrizhausen Marie-Luise Schmit in der Zeppelinstraße 22, in Holzgerlingen Familie Heitsch, Friedhofstraße 30, oder Familie Haußmann, Rechbergstraße 13, in Weil im Schönbuch Familie Riedel, Ziegelhütte 10. Für den Deutschen Hausfrauen-Bund, Ortsverband Herrenberg nimmt in Gäufelden Frau Schieler, im Amselweg 30, gesammelte Deckel an. Weitere Informationen zur Deckel-Sammel-Aktion stehen unter nuertingen.notaract.de/Deckelprojekt online.