Ängste vor dem Unbekannten abbauen

Kommentar

Artikel vom 06. April 2018 - 13:42

Von Sandra Schumacher

"Die Menschen fürchtet nur, wer sie nicht kennt. Und wer sie meidet, wird sie bald verkennen", schrieb vor 200 Jahren ein gewisser Johann Wolfgang von Goethe. Was er meinte, ist klar: Was wir nicht kennen, beäugen wir skeptisch, was wir nicht verstehen, macht uns Angst.

Und dass Angst selten etwas Gutes hervorbringt, weiß heute der bekannte Science-Fiction-Regisseur und -Drehbuchautor George Lucas, wenn er in Form des Jedi-Meisters Yoda davor warnt, dass Furcht zu Wut und Wut zu Hass führt.

Dies sind nur zwei Beispiele dafür, wie Kulturschaffende mit ihren Werken der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und die Problematiken auf den Punkt bringen.

Denn was ist es anderes als Angst, die zum derzeitigen Erstarken der rechtspopulistischen Kräfte in Europa und zur erneuten Salonfähigkeit von Rassismus auf der Welt führt? Angst davor, eines Tages weniger Einkommen zu haben, weil das Geld für "die anderen" ausgegeben wird. Angst vor Gewalttätern, die es natürlich in der eigenen gesellschaftlichen Gruppe gar nicht gibt. Angst davor, dass die eigene, christlich geprägte abendländische Kultur unterwandert wird. Oder - Gott bewahre - sich mit einer anderen vermischt.

Vorurteile, sagten die Philosophen der Aufklärung, schüren die Angst, und nur das Wissen um die Wahrheit kann da Abhilfe schaffen. Und genau an dieser Stelle setzt das Projekt "Lampedusa Calling" des Stadtjugendrings in Herrenberg an, bei dem Geflüchtete und Einheimische nicht nur miteinander ins Gespräch kommen und so Vorurteile und Ängste abbauen können, sondern eben auch gemeinsam an einem Projekt arbeiten, gemeinsam ein Ziel verfolgen. Hier wird aus dem Kultur-Spiegel ein gesellschaftlicher Kultur-Kleber. "Fremde" Ansichten werden beim gemeinsamen Schaffen nämlich schnell zu einer hilfreichen Außenperspektive, die manchmal genau die Lösung für ein Problem ersinnt, die die gewohnten Denkbahnen nicht aufgezeigt hätten.

Aus dem gefürchteten Fremden wird dann mitunter ein kreativer Bekannter oder gar ein geschätzter Freund. Wenn wir ihn lassen. Und unsere Ängste vor dem Unbekannten im Zaum halten.