Todesfall bei Wohnungsräumung in Tübingen

69-jähriger stürzt vom Balkon - Brand in einem Gebäude der Universität am Neckar

  • img

Artikel vom 20. März 2017 - 14:39

TÜBINGEN (red). Wie die Stadtverwaltung mitteilt, ist es am Montagmorgen in der Biesingerstraße in Tübingen zu einem Brand und einem Todesfall im Zusammenhang mit einer Wohnungsräumung gekommen.

Wie die Stadtverwaltung berichtet, habe es im Gebäude gebrannt, als der Gerichtsvollzieher und Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor Ort eintrafen, um die angekündigte Räumung zu vollstrecken. Der Mann, den die Räumung betraf, gab angeblich vom Balkon im ersten Stock einen Schuss auf den Mitarbeiter des Ordnungsamtes ab, der ihn aber glücklicherweise nicht verletzte. Anschließend stürzte der 69-Jährige vom Balkon und verletzte sich so schwer, dass er trotz Wiederbelebungsversuchen noch am Unglücksort verstarb.

Die sofort alarmierte Feuerwehr war wenige Minuten später vor Ort. Das Gebäude stand bereits komplett in Flammen, sodass ein Betreten nicht mehr möglich war. Die Löscharbeiten werden vermutlich noch den ganzen Montagnachmittag andauern. Da das Gebäude inzwischen einsturzgefährdet ist, wird es nach dem Löschen des Brandes polizeilich gesichert.

Dem Verunglückten drohte laut Stadtverwaltung die Zwangsräumung, da er seit etlichen Jahren unberechtigter Weise in den Büroräumen der Universität wohnte. Die Universität hatte seit 2012 mit mehreren Räumungsklagen die Zwangsräumung angestrebt, da das Gebäude zu Bürozwecken diente und nicht als Wohnung vermietet war. Die Stadt hatte nach eigener Darstellung dem Mann mehrfach eine Wohnung angeboten, in die er mit Hilfe der Stadtverwaltung übersiedeln sollte. Da er dieses wie auch andere vorgehende Angebote ausschlug, hatte das Gericht die vollstreckbare Zwangsräumung angeordnet.

„Wir sind erschüttert vom tragischen Ausgang“, ließ sich die Erste Bürgermeisterin Dr. Christine Arbogast in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung zitieren. „Es ist auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schwer auszuhalten, wenn die Hilfe nicht angenommen wird. Sie haben in diesem – wie in vielen anderen Fällen – sehr gute Arbeit geleistet. Dennoch konnten sie das tragische Ende nicht verhindern.“

In Tübingen werden pro Jahr rund 40 Zwangsräumungen angekündigt, von denen rund zehn auch wirklich durchgeführt werden. In den anderen Fällen gelingt es, mit Hilfe der Sozialberatung die Zwangsräumung abzuwenden. Dafür hat die Stadt seit 2009 eine eigene Stelle eingerichtet. Diese berät mit dem Ziel, fristlose Kündigungen und Räumungsklagen und insbesondere Zwangsräumungen zu verhindern. Auch in diesem Fall hatte es viele Beratungsgespräche und Hilfsangebote gegeben.

Verwandte Artikel