Hand aufs Herz

Kommentar

Artikel vom 15. Februar 2017 - 12:48

Von Martin Müller

HOLZGERLINGEN/ALTDORF (red). Die Aktionsreihe "365 Lebensretter" des DRK Ortsverein Holzgerlingen/Altdorf endete jetzt, am vergangenen Freitag, 10. Februar, auf dem Wochenmarkt in Holzgerlingen. "Das Ziel ist mehr als erreicht worden - wir haben 474 Mitmenschen in Wiederbelebung geschult", berichtet der Öffentlichkeitsarbeiter, Moritz Sohns. Wir - das ist eine Schar von ausgebildeten Ersthelfern in der Bereitschaftsgruppe vom DRK Holzgerlingen/Altdorf, die in wechselnder Besetzung immer wieder als Lehrer und Anleiter den Crash-Kurs durchgeführt haben - auf offener Straße, auf Plätzen und bei großen Festen.

Rund 60 Stunden wurden laut Moritz Sohns insgesamt aufgewendet - was bedeutet, dass etwa sechs Personen pro Stunde in Maßnahmen der Wiederbelebung geschult werden konnten: Ein beachtlicher Schnitt.

Am 11. Februar 2016 war die Aktionsreihe angelaufen. In diesem ereignisreichen Jahr kreuzten die DRKler auch bei diversen Veranstaltungen und Events rund um die Schönbuchlichtung auf, so beim Holzgerlinger Herbst, wo alleine 72 Personen ausgebildet wurden, insbesondere sehr viele Kinder und Jugendliche, beim ebenfalls sehr erfolgreichen Tag der offenen Tür der Feuerwehr in Altdorf oder in Böblingen bei der "Fühl dich Wohl"-Messe.

Auf dem Wochenmarkt am vergangenen Freitag waren die Helfer nun ein letztes Mal mit dem Zeichen "365 Lebensretter" zu sehen. Trotz des schlechten Wetters und den sehr kühlen Temperaturen konnten wieder einige Wochenmarktbesucher für die Wiederbelebung geschult werden.

Aufklärung soll Notwendigkeit der Ersten Hilfe bewusster machen

Schon im Oktober 2016 war der 365. Lebensretter ausgebildet worden, es war der fünfjährige Jonas mit seiner Mutter, der überhaupt keine Scheu hatte und erstaunt war, wie leicht es doch geht, einem Menschen das Leben zu retten. So wie Jonas empfanden viele Lebensretter die Wiederbelebungsmaßnahmen als sehr einfach und die Angst davor war schnell verflogen.

Doch diese Aktionsreihe soll nicht die Einzige des Ortsvereins Holzgerlingen/Altdorf bleiben. Die Öffentlichkeitsgruppe der Bereitschaft wird noch dieses Jahr tagen, um zu überlegen wie es im nächsten Jahr weitergehen kann. "Zum Feiern bleibt keine Zeit, denn so ernst das Thema Wiederbelebung auch ist, ohne Aufklärungs- und Schulungsangebote durch erfahrene Helfer wird das Bewusstsein der Menschen dafür nicht gefördert", setzt der ehrenamtliche Schulungshelfer Moritz Sohns auf eine möglichst nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit.

Merkzettel für den Notfall

Drei Schritte zur Lebensrettung

"Prüfen - Rufen - Drücken", lautet die Devise: Dieser Dreischritt entscheidet, ob ein Mensch am Leben bleibt oder stirbt.

Beim Prüfen geht es darum, herauszufinden, ob die typischen Symptome eines Herzstillstands vorliegen. Dazu gehört das Rütteln am Körper und das laute Ansprechen: Zeigt der Mensch keine Reaktion, wird mit der einen Hand das Kinn angehoben, die andere stützt die Schädeldecke Richtung Boden ab. Der Ersthelfer führt Wange und Ohr dicht an den Mund des Opfers und spürt zehn Sekunden nach, ob er Atemzüge wahrnehmen kann.

Ist keine normale Atmung festzustellen, folgt Rettungsschritt Nummer zwei, das Rufen: Der Ersthelfer muss die 112 wählen und einen Notruf absetzen.

Auch hier gilt es einen klaren Kopf zu bewahren und deutlich mitzuteilen, wo genau sich der Einsatzort befindet und was genau das Problem ist.

Der dritte Schritt, das Drücken, ist der schweißtreibendste. Dabei darf keine falsche Scham an den Tag gelegt werden. Egal ob Mann oder Frau, der Brustkorb muss von allen Klamotten befreit werden. Der Lebensretter legt die beiden Handteller übereinander, setzt sie in der Mitte des Brustkorbs auf und beginnt in flottem Tempo kräftig nach unten zu drücken: Etwa fünf bis sechs Zentimeter tief, 100 bis 120 Mal in der Minute - also zwei Mal pro Sekunde. Das muss so lange durchgehalten werden, bis die Ersthelfer vom DRK an Ort und Stelle eintreffen und alles weitere übernehmen. (mmü)

Hand aufs Herz: Wann hast Du zuletzt einen DRK-Kurs besucht und Dich in Maßnahmen der Ersthilfe unterrichten lassen? Was musst Du zum Beispiel tun, wenn ein Mensch verletzt vor Dir liegt und zu verbluten droht?

Eben: Lange, lange ist's her! Bei mir selbst, es sei eingestanden, war's der obligatorische Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein. Und der liegt nun sage und schreibe 35 Jahre zurück. Nur ein drastischer Spruch des Kursleiters hat sich mir bis auf den heutigen Tag eingeprägt: "In die Wunde reingreifen, Arterie rausziehen, Büroklammer darüberspannen."

So drastisch muss es ja nicht gleich kommen, sagst Du Dir jetzt. Stimmt schon. Aber es ist eben keiner von uns gefeit davor, in eine Situation zu kommen, in der Du als Lebensretter gefragt bist. Genau das besagt ja schon der Begriff des Unfalls.

Dem DRK Holzgerlingen/Altdorf gebührt deshalb ein doppelter Dank: Einerseits für die durchgeführten Schulungen selbst, ganz klar. Andererseits aber eben auch dafür, dass es durch diese Aktionen im öffentlichen Raum gelungen ist, Dir und mir den Spiegel der eigenen Unwissenheit vorzuhalten. Gut zu wissen, wohin wir uns wenden müssen, wenn wir mit unserer eigenen Unkenntnis Schluss machen wollen. Flyer mit hiesigen Kursangeboten haben die Rotkreuzler nämlich immer gleich mitverteilt.

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