Herrenberger Naturbad muss erneut schließen

Das Naturfreibad schließt seine Pforten wegen erhöhten Bakterienwerten an zwei Messstellen aus einer Wasserprobe vom 8. Juli.

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    Das Herrenberger Naturfreibad muss wieder schließen.

Artikel vom 14. Juli 2020 - 13:40

HERRENBERG (red). Das Herrenberger Naturfreibad wird erneut vorübergehend seine Pforten schließen: An zwei Messstellen im Freibadbecken wurden erhöhte Werte des Bakterienkeims Pseudomonas aeruginosa festgestellt. Die Wasserprobe, deren Ergebnis jetzt vorliegt, stammt vom 8. Juli. Wie die letzten Tage gezeigt haben, funktioniert der Filter im Naturfreibad einwandfrei. Daher gehen die Stadtwerke davon aus, dass die Wasserwerte zwischenzeitlich wieder im Rahmen der vorgegebenen Parameter liegen. Dennoch pausiert das Bad bis ein neuerliches Probeergebnis vorliegt. Die Stadtwerke haben in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Böblingen deshalb am Dienstag, 14. Juli, ab 13 Uhr eine vorübergehende Betriebspause für das gesamte Naturfreibad vorgesehen.

Das Naturfreibad war bereits vom 4. bis 8. Juli geschlossen

Nach einer ersten Schließung vom 4. bis 8. Juli war das Naturfreibad seit 9. Juli wieder geöffnet. Proben vom 6. Juli hatten ergeben, dass keine Verkeimung mehr vorliegt. An allen Messstellen lag der Pseudomonaden-Wert bei null. Da eine unzureichende Durchströmung des Beckens als Grund für die erhöhten Werte ermittelt worden war, arbeiteten die Umwälzungspumpen mit erhöhter Leistung, außerdem waren zusätzliche Tauchpumpen im Einsatz. Darüber hinaus hatten die Stadtwerke die Reinigungsaktivitäten verstärkt. Diese Maßnahmen zeigten auch den gewünschten Erfolg, so dass die Öffnung des Bades am 9. erfolgen konnte.

Noch während der Betriebsvorbereitung für die Öffnung wurden am 8. Juli neuerlich Proben genommen, die jetzt allerdings Anlass zur Beanstandung gegeben haben. Das Ergebnis der Wasserprobe vom 8. Juli hat an zwei Stellen im Becken erhöhte Werte über 200 Koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter aufgezeigt. Der Richtwert liegt bei 10 KBE pro 100 ml, der Grenzwert für das benannte Bakterium bei 100 KBE pro 100 ml.

Beckenreinigung war Ursache für erhöhte Bakterienwerte

"Ursächlich für die erhöhten Werte ist ausgerechnet die Beckenreinigung, die zeitgleich mit der Probenentnahme stattgefunden hat", sagt Karsten Kühn, Leiter der Stadtwerke. "Das Ergebnis der Proben zeigt, dass sich in den gereinigten Bereichen offensichtlich zum Zeitpunkt der Probenahme mehr Schwebstoffe im Becken befanden und somit die Konzentration an Pseudomonas aeruginosa erhöht war." In der Regel erfolgt eine Probeentnahme erst nach der Reinigung des Beckens und nach einer Ruhephase. Über die Ruhephase hinweg sinken die Schwebstoffe auf den Grund des Beckens und werden dann von Beckensaugern aufgenommen. "Hier ist uns ein Fehler unterlaufen. Die Ruhephase wurde nicht eingehalten, dadurch erfolgte keine vollständige Absenkung der Schwebstoffe und auch keine Entnahme", erklärt Kühn. Fest stehe, dass das Bad nun nochmals pausieren müsse, bis durch neuerliche Wasserproben der Nachweis erbracht ist, dass alles wieder passt. Erst wenn die Wasserqualität wieder vollkommen in Ordnung sei, werde das Bad wieder geöffnet. "Die Gesundheit der Badegäste steht für uns an oberster Stelle. Auch wenn nach allem Ermessen davon ausgegangen werden kann, dass die Werte längst wieder in Ordnung sind, folgen wir hier selbstverständlich der Empfehlung des Gesundheitsamts."

Alle Kunden werden per Mail informiert

Alle Kunden, die ein Zeitfenster gebucht haben, werden per E-Mail über das vorübergehende Badeverbot informiert und erhalten ihre bereits bezahlten Eintrittsgelder in Form einer Gutschrift zurück. Als Wiedergutmachung spendieren die Stadtwerke zudem den Badegästen, die bereits eine Buchung vorgenommen hatten, ihren nächsten Freibadbesuch. Das Online-Ticket-Buchungssystem ist vorübergehend geschlossen.

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Bei einem Naturbad erfolgt die Wasserreinigung über natürliche biologische Prozesse, während dies in einem konventionellen Bad über die Zugabe Chlor erfolgt. Daher ist die Überwachung der Wasserwerte im Naturbad weitaus engmaschiger und strenger, als dies bei anderen Bädern der Fall ist. Liegt eine Überschreitung der Wassergrenzwerte vor, die - wie im vorliegenden Fall - durch ein äußeres Ereignis ausgelöst wird, so erfolgt der Abbau der Keime durch den natürlichen Prozess. Dies benötigt zum einen etwas Zeit, zum anderen ist es notwendig, durch eine neuerliche Wasserprobe darzulegen, dass die Werte sich wieder innerhalb der vorgegebenen Bandbreiten bewegen. Auch die Auswertung der Proben benötigt eine gewisse Zeit. Daher kann es bei Naturbädern vorkommen, dass vorübergehende Betriebspausen notwendig werden.

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