Galloways beziehen ihr Sommerquartier in Herrenberg

Die markanten Rinder sollen an der Entstehung eines lichten Weidewaldes mitwirken - Die Firma LGI sponsert das Projekt

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    Ein weißes Galloway-Rind auf der Waldweide im Herrenberger Wald Foto: Matthias Link

Die Waldweide im Herrenberger Stadtwald wird demnächst bezogen: Ab Christi Himmelfahrt tummeln sich dort wieder vier Rinder der Schlossberg-Rind GbR und arbeiten weiter an der Entstehung eines lichten Weidewaldes. Die Firma LGI übernimmt für ein Jahr die Kosten für die Beweidung.

Artikel vom 19. Mai 2020 - 19:00

HERRENBERG (red). Auf der Herrenberger Waldweide ist bald wieder Auftrieb der Tiere. "Viele Naturfreunde können es kaum noch erwarten, sich nicht nur des faszinierenden Waldbildes, sondern auch wieder der Beobachtung dieser tierischen Landschaftspfleger zu erfreuen", berichtet Reinhold Kratzer, Leiter des Kreisforstamts Böblingen und Initiator des Waldweide-Projekts. Auf der rund sieben Hektar großen Fläche im Herrenberger Stadtwald (Gewann Sauhägle bei Kayh-Mönchberg) grasen ab Christi Himmelfahrt wieder vier Galloway-Rinder und schaffen dort einen lichten Weidewald. Die Rinder gehören der Schlossberg-Rind GbR und waren den Winter über auf den Winterweiden der GbR im Raum Herrenberg.

Zum zweiten Mal verbringen die Rinder ihren Sommer auf dieser Waldweide. Damit machen die Galloways eine historisch bedeutende Waldnutzungsform für die Besucher des Naturparks Schönbuchs sicht- und erlebbar. "Der entstehende lichte Weidewald ist eine Augenweide, die im Kontrast zum umgebenden Wald deutlich wärmer und lichter ist. Sie erinnert an Waldbilder im Mittelalter, als diese Form der Waldbewirtschaftung weit verbreitet war", erklärt Reinhold Kratzer.

Lichtliebende Vogelarten wie der Halsbandschnäpper tauchen auf

Die Waldweide entwickelt sich gut: "Lichtliebende Wald-Vogelarten wie der Mittelspecht, der Grauspecht, der Halsbandschnäpper und die Waldschnepfe sind in der Fläche beobachtet worden", weiß Kratzer. Schmetterlinge, wie der seltene Trauermantel, ziehen in der Waldweide ebenfalls bereits ihre Bahnen. Des weiteren profitieren Amphibien, Reptilien und Fledermäuse von dem lichten Weidewald.

Im Naturpark Schönbuch wird derzeit ein neues Besucherleitsystem umgesetzt. Es wird verschiedene Ansätze, wie naturkundlich interessierte Spaziergänger, sportlich ambitionierte Wanderer, gesundheitsorientierte Waldbesucher oder Familien, die mit Kindern zum Ziel "Herrenberger Waldweide" kommen können, bieten. Ab dem Wanderparkplatz Mönchberger Sattel wird es im Laufe des Sommers einen ausgewiesenen Rundwanderweg geben, der zum Besuch der Waldweide und des naheliegenden Sommertalsees einlädt.

Finanziell unterstützt wird das Waldweide-Projekt durch die Firma LGI Logistics Group International GmbH. Die auf Transport und Logistik spezialisierte Firma hat ihren Firmensitz im Gewerbegebiet Gültstein und konnte in diesem Jahr als Sponsor für dieses Umweltprojekt gewonnen werden. "Wir freuen uns darüber, dass sich diese ortsansässige Firma im Stadtwald Herrenberg engagiert und in diesem Jahr die Kosten für die Beweidung übernimmt," so Kratzer. Die Beweidungskosten sind der für den Tierhalter durch die Besonderheit einer Waldweide entstehende höhere Aufwand für den Transport der Tiere, die regelmäßige mehrmalige Kontrolle jede Woche sowie die Sorge um das Tierwohl.

Waldweide findet Erwähnung in neuem Wanderführer

Übrigens: Die Herrenberger Waldweide hat in dem neuen Buch "Traumziele Schönbuch - 101 Highlights" einen Platz bekommen: Mit diesem Werk möchte Roland Bengel, Journalist und Buchautor, Naturliebhaber und profunder Schönbuchkenner, dazu anregen, die schönsten, interessantesten und kulturhistorisch bedeutsamsten Plätze im Schönbuch selbst zu erkunden. Neben etablierten Klassikern hebt er zwei neu hinzugekommene Attraktionen besonders hervor: Der Schönbuchturm und die Waldweide im Herrenberger Stadtwald.

Weitere Infos zur Herrenberger Waldweide unter http://www.herrenberg.de/waldweide im Internet.

Die Rinder werden voraussichtlich an Christi Himmelfahrt auf die Waldweide gestellt. Forstpraktische und Tierschutz-Gründe sprechen dafür, dass dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit nur im engen Kreis der Tierhalter und der Projektverantwortlichen des Forstamtes stattfindet.

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