Herrenberger Grüne fordern mehr Klimaschutz auf kommunaler Ebene

Wie die Energiewende in Herrenberg gelingen kann: Stadträtin Heike Voelker legt ein Strategiepapier vor

Artikel vom 30. Januar 2020 - 16:12

HERRENBERG (red). Herrenbergs Grüne fordern mehr Klimaschutz auf kommunaler Ebene. Sie wollen sich zudem konstruktiv einbringen, wie mehr Klimaschutz in der Gäumetropole gelingen kann.

Dazu hat Stadträtin Dr. Heike Voelker ein 40-seitiges Strategiepapier verfasst. Darin zeigt sie auf, wie die Herrenberger Stadtgesellschaft auf den Handlungsfeldern Energie, Stadtplanung, Gebäude - Bauen - Wohnen, Landnutzung und Mobilität ihren Beitrag leisten kann, die globale Klimaerwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu drücken.

Das Positionspapier wertet dazu den 2019 aktualisierten Windenergieatlas aus. Aus dem Solaratlas werden Potentiale für Fotovoltaikanlagen auf Dachflächen und aus dem Energieatlas die für möglichen Freiflächen-Fotovoltaik-Anlagen zusammengetragen. Die Autorin kommt zum Ergebnis: "Wenn wir bereit sind, unseren Energiebedarf durch Effizienzsteigerung und Einsparung zu senken und einen großen Anteil des Energiebedarfes über lokal erzeugte regenerative Energie abzudecken, rückt die Energie-Autarkie in die Reichweite des Möglichen."

Wärmenetze für Wohnquartiere

Für das Gelingen der Wärmewende müssen Lösungen vor Ort gesucht werden. Dazu sei eine kommunale Wärmeplanung notwendig. Damit solle geprüft werden, ob kostspielige kleinteilige Lösungen der üblicherweise mit fossiler Energie betriebenen Einzelfeuerungsanlagen nicht durch kostengünstige, effiziente Wärmenetze ersetzt werden könnten, die mit erneuerbaren Energieträgern und/oder Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen betrieben werden.

Das Positionspapier erläutert, dass volkswirtschaftlich betrachtet unter Berücksichtigung der Gesamtkosten die Kombination von Effizienzsteigerung durch energetische Sanierung der Gebäudehülle, Nutzung von fotovoltaisch betriebenen Wärmepumpen und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung mit Abstand den besten Effekt hat. Diese Maßnahmen vermindern nicht nur den Ausstoß von CO2; sie sparen auf Dauer bares Geld und sind eine lukrative Wertschöpfung, indem durch Investitionen Handel und Handwerk vor Ort gestützt werden.

Um besser mit den Auswirkungen von Hitze-Sommern in der Stadt zurecht zu kommen, dürfe es künftig kein Stadtbaukonzept ohne Energie- und Klimaschutzkonzept geben. Zudem erläutert das Papier, wie die Landnutzung von Grünland, Streuobstwiesen und Wald auf der Gemarkung Herrenberg dazu beiträgt, das Treibhausgas Kohlendioxid im Boden zu speichern.

Auf dem Sektor Mobilität findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem in Herrenberg im Mai 2019 verabschiedeten Integrierten Mobilitätsentwicklungsplan (IMEP) statt. Als großer Schwachpunkt wird herausgestellt, dass keine klimaschutzorientierte Zielvorgaben berücksichtigt worden sind. Wo die Defizite liegen und welcher Handlungsdruck sich daraus zum Beispiel für den ÖPNV oder den ruhenden Verkehr ergibt, zeigt das Positionspapier auf.

Das Fazit aus all den aufgezeigten Möglichkeiten, wie der Klimaschutz in Herrenberg konkret vorangebracht werden kann, beschreibt Heike Voelker mit zwei Aussagen: "Jedes weitere Verschieben bedeutet ein Verschärfen der Klimakrise." und: "Es liegt an uns: Wollen wir in Herrenberg Teil des Problems oder Teil der Lösung sein."

Die Grünen erwarten von der Verwaltung, dass diese umfassende Aufarbeitung entsprechenden Eingang in der Neuaufstellung der Verwaltungsvorlage zum Thema Klimaschutz findet, welche am 4. Februar im Technischen Ausschuss aufgerufen wird.

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