Mit steigendem Betreuungsbedarf wächst der Fachkräftemangel an Erziehern

Diskussionsabend in Herrenberg mit Staatssekretär Schebesta rund um die Kindergartenarbeit

Artikel vom 02. Dezember 2019 - 16:24

HERRENBERG (red). Die ersten Lebensjahre sind entscheidend für die persönliche und soziale Entwicklung eines Kindes. Rund um den Themenkomplex gab es jetzt auf Einladung der CDU einen politischen Abend in Herrenberg. Auf Einladung von Landtags-Vizepräsidentin Sabine Kurtz sprach Staatssekretär Volker Schebesta aus dem Kultusministerium vor rund 40 Gästen.

Für die CDU sei wichtig, dass neben dem Ausbau der frühkindlichen Bildung auch eine hochwertige Betreuung in den Blick genommen wird, lobte Sabine Kurtz den Kraftakt der Kommunen, der einen Ausbau der Betreuungsplätze ermöglicht habe.

Oberbürgermeister Thomas Sprißler machte klar, dass der Prozess die Kommunen weiter beschäftigen wird. In Herrenberg gebe es derziet 28 Kitas und fünf freie Träger. Momentan würden 260 neue Plätze geschaffen, aber auch dies werde vermutlich nicht ausreichen. Er begrüßte, dass die Kommunen zusätzliche Gelder über das Gute-Kita-Gesetz und den Pakt für gute Bildung und Betreuung bekommen sollen.

Staatssekretär Schebesta betonte, dass das Land mit dem "Pakt für gute Bildung und Betreuung" einen Grundstein für die weitere Verbesserung der Qualität in der frühkindlichen Bildung legen wolle. Dazu würden zum Beispiel die Mittel im Landeshaushalt für frühe Sprachförderung und für die Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen erhöht.

Im Kreis Böblingen gibt es bereits Plätze für 32 Prozent aller Kinder unter drei Jahren, der Bedarf wird allerdings auf 42 Prozent geschätzt. Der Ausbau ziehe einen immensen Mangel an Fachkräften mit sich. "Ohne Fachkräfte bleiben die schönen, neugebauten Kitas leer", erläuterte Wolfgang Geiger, Abteilungsleiter für Sozialpädagogik an der Hilde-Domin-Schule, an der Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet werden.

Land will duale Ausbildung zur Erzieherin fördern

Wichtig sei eine gute Ausbildung der Fachkräfte, da deren Aufgaben immer komplexer werden. Als Baustein zur zusätzlichen Fachkräftegewinnung unterstützt das Land das Modell der dualen Erzieherausbildung (PIA) mit 100 Euro pro Platz und Monat, so Sabine Kurtz.

Auch beim tupf, dem Tages- und Pflegeeltern e.V. Kreis Böblingen, ist die Nachfrage größer als das Angebot an Tagespflegepersonen. Eine langfristige Verbesserung erhofft sich Marion Röcker, Vorsitzende des Vereins, durch die Kooperation mit der Hilde-Domin-Schule. Angehende Erzieherinnen können dabei parallel zu ihrer Ausbildung eine Qualifikation für die Kindertagespflege erreichen. Für wünschenswert hält sie, die Gesamtanzahl der Betreuungsverträge, die eine Tagespflegeperson abschließen darf, künftig nicht mehr zu beschränken.

Die zentrale Erkenntnis versprach Sabine Kurtz, in ihre parlamentarische Arbeit mitzunehmen: Für eine eine gute, qualitätsvolle Betreuung, in der die kleinen Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt werden, braucht es vor allem genügend pädagogische Fachkräfte und Betreuungsplätze. Da bliebt noch viel zu tun.

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