Die Seestraße in Herrenberg wird zur Großbaustelle

Planungen für Bauablauf und Ausführung liegen jetzt vor - Im nächsten Frühjahr geht's los - Mehr Raum für Radler und Fußgänger

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    Die Seestraße wird zugunsten von Fußgängern und Radlern grundlegend umgestaltet Foto: hes

Artikel vom 08. Oktober 2019 - 11:00

HERRENBERG (red). Radler, Fußgänger und Autofahrer finden bequem ihre Wege über die Seestraße, die Verbindung vom Seeländerplatz zum Seelesplatz in Richtung Altstadt und der offene Aischbach laden zum Bummeln und Verweilen ein. . .

Vor der Verwirklichung dieser Idee liegen noch einige Monate Baustellenzeit mit Einschränkungen und Belastungen für Anlieger und Verkehrsteilnehmer. Dazu legt die Verwaltung jetzt konkrete Pläne vor, die am 15. Oktober im Technischen Ausschuss und am 22. Oktober im Gemeinderat beraten werden.

"Unser Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität im Bereich der Seestraße deutlich zu erhöhen, das heißt, wir wollen die Bundesstraße stadtverträglich umbauen", erläutert Erster Bürgermeister Tobias Meigel die Pläne. "Die Geschwindigkeit für den Autoverkehr wird dynamisch zwischen 20 und 40 Kilometer pro Stunde geregelt, so dass besonders Fußgänger die Seestraße in Richtung Altstadt gut queren können." Los gehen soll es mit dem Umbau im März oder April 2020, sobald die Witterung es zulässt. Um die Erreichbarkeit der Baustelle auf dem Seeländer-Areal zu gewährleisten, werden die Straßenbauarbeiten in zwei Abschnitten ausgeführt. Der erste Bauabschnitt erstreckt sich entlang der Seestraße von der Stadthallenstraße bis zum Seeländerplatz. Hier wird dann die erste Vollsperrung nötig sein, bei der die Umleitungsstrecken beweisen müssen, dass sie die errechnete Leistung bringen. Im zweiten Bauabschnitt wird die Fahrbahn vom Seeländerplatz inklusive der Überquerung bis kurz vor den Reinhold-Schick-Platz neu gestaltet.

Im Herbst 2020 sollen der Seeländer-Platz und die Seestraße fertig sein - rechtzeitig zur geplanten Eröffnung des Seeländer-Gebäudes. Im Jahr darauf folgt die Gestaltung des großen Platzes zwischen Nufringer Tor und Bronntor - der Seelesplatz wird nach Plänen des Landschaftsarchitekten Stefan Fromm, der den Gestaltungswettbewerb für sich entscheiden konnte, zum attraktiven Aufenthaltsbereich mit Pavillons, Sitzmöbeln und Wasserfläche. Sechs Platanen und eine Linde, die heute die Seestraße säumen, sollen durch neue, andere Baumarten ersetzt werden, die dem Klimawandel besser gewachsen sind. Eine Verpflanzung der 30 bis 40 Jahre alten Bäume ist technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll möglich. "Wir haben im gesamten Planungsprozess große Mühen unternommen, die Bäume zu erhalten, aber es hat sich nun gezeigt, dass dies leider unmöglich ist", erklärt Baubürger-meister Meigel.

Schutzstreifen für Radfahrer und Tempolimit 20 bis 40

Der Umbau der Seestraße bringt zahlreiche Neuerungen: Auf beiden Seiten der Fahrbahn entstehen 1,50 Meter breite Schutzstreifen für Radfahrer, die mit gestrichelten Linien und Piktogrammen gekennzeichnet sind und von Autos nur im Ausnahmefall befahren werden dürfen. Mit insgesamt vier Metern Breite pro Richtung bietet die Fahrbahn genug Platz für dieses Plus an Sicherheit und Komfort für den Radverkehr neben dem Auto-Verkehr (2,50 Meter Fahrbahn plus 1,50 Meter Radstreifen). Die Straßenfunktion wird hier auf ein stadtverkehrsverträgliches Minimum reduziert und gleichzeitig die Radwegebeziehung konsequent ausgebaut, wie im Verkehrskonzept IMEP festgelegt. Das Tempolimit wird von heute 50 km/h auf künftig 20 bis 40 km/h reduziert. Eine dynamische Tempo-Anzeige soll den Verkehr im Zuge des Modellstadt-Projekts für saubere Luft flüssiger machen und für weniger Abgase sorgen.

Die Stadt rechnet damit, dass sich der Verkehr auf der Seestraße um rund 4000 bis 5000 Fahrzeuge reduziert und damit auch das Überqueren für Fußgänger einfacher und sicherer wird. Ein farblich auffälliger, heller Granitbordstein und grau-beige Pflastersteine kennzeichnen künftig die Gehwege auf beiden Seiten. Das gleiche Material kommt bei der Gestaltung der Mittelinseln zum Einsatz. Der besondere Clou ist die Farbkennzeichnung der Querung auf Höhe des neuen Seeländerplatzes: Ein Epoxidharz auf der Oberfläche macht hier für alle deutlich, dass dies eine Hauptachse für Fußgänger aus Richtung Altstadt ist, die durch den langsameren Verkehr und die Mittelinsel sicher von einer Seite auf die andere kommen. Die Bushaltestellen werden neu und weitgehend barrierefrei gestaltet.

Die genauen Kosten ergeben sich nach der Eröffnung der Angebote und der Beauftragung der Fachfirmen, die für den Seeländerplatz im November und für die Seestraße im Dezember vorgesehen sind. Einkalkuliert sind bislang für beide Bauabschnitte rund 1,4 Millionen Euro.

Parallel zu den Bauarbeiten an der Seestraße gestaltet das städtische Tiefbauamt den Seeländer-Platz und legt den Aischbach offen. Die Stadthallenstraße wird ebenfalls neu ausgebaut, um die neue Zufahrt zum Seeländer-Parkhaus zu ermöglichen. Im Einmündungsbereich in die Seestraße werden eine Geradeaus-/Rechtsabbiegerspur, eine Linksabbiegerspur sowie ein einseitiger Gehweg angeboten. Im Bereich des Seeländerplatzes geht der Gehweg in die Platzgestaltung über. Die Kreuzung an der Seestraße wird mit einer Ampel geregelt. Auf der Ostseite werden entlang der Stadthalle und Mehrzweckhalle senkrecht angeordnete Stellplätze angeboten und durch Pflanzflächen eingefasst. Ein Baumtor markiert die Zufahrt. Die neue Seestraße? Kaum wiederzuerkennen!

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